Zum Inhalt springen

Ein Name, viele Stammbäume: White Widow bei zwölf Marken.

Unter demselben Sortennamen stehen im Stammbaum zwölf Herkunftsangaben – und mindestens drei verschiedene Abstammungen.
13. Oktober 2026 durch
Ein Name, viele Stammbäume: White Widow bei zwölf Marken.
Tom Jaud
| Noch keine Kommentare

Dass derselbe Sortenname bei verschiedenen Anbietern für verschiedene Pflanzen stehen kann, wird oft behauptet und selten gezeigt. Dieser Beitrag macht die Probe an einem Beispiel aus dem eigenen Datenbestand. Er ordnet Herkunftsangaben ein und ist keine Kauf-, Anbau- oder Konsumberatung.

Zwölf Marken, ein Name

Im DrGreen-Stammbaum ist White Widow die Sorte mit den meisten Herkunftsangaben: zwölf Marken führen photoperiodische Samen unter diesem Namen, jede mit eigener Angabe zur Abstammung (Stand 9. Oktober 2026). Die Angaben fallen in drei Gruppen.

Die erste nennt dieselbe Kreuzung in unterschiedlicher Schreibtiefe: Greenhouse Seed Co., Seedsman und White Label Seed Company notieren Brazilian x South Indian, Lineage Genetics dasselbe als Brazilian Sativa x South Indian Indica, Tiger One Bulk in umgekehrter Reihenfolge. Die zweite besteht aus einem einzigen abweichenden Eintrag: Nirvana Seeds gibt Kerala x Manga Rose an – zwei Elternteile, die in keiner anderen Angabe vorkommen. Die dritte verweist auf den Namen selbst: bei 00 Seeds und Pyramid Seeds steht als Genetik nur „White Widow“, bei Silent Seeds White Widow x White Widow.

Was das bedeutet – und was nicht

Eine abweichende Angabe ist kein Urteil über eine Marke. Sie kann eine eigene, lange weitergeführte Arbeitslinie beschreiben, eine andere Notationstiefe oder einen ungenauen Eintrag. Der Stammbaum löst das nicht auf; er macht sichtbar, dass es einen Unterschied gibt – bevor man sich für eine Linie entscheidet.

F1 und S1 stehen nebeneinander

Zwei der zwölf Angaben tragen ein Generationskürzel: Dutch Passion führt White Widow F1, Royal Queen Seeds White Widow S1. Das ist nicht dieselbe Stufe – eine F1 ist die erste Generation einer Kreuzung, eine S1 geht auf eine einzige, mit sich selbst bestäubte Pflanze zurück. Was die Kürzel im Einzelnen aussagen, erklärt der Beitrag „S1, BX, RBX: Was die Generationskürzel in der Cannabiszucht bedeuten.“

Bei den Auto-Versionen wiederholt sich das Muster

Für White Widow Auto liegen neun Markenangaben vor. Vier nennen White Widow x Ruderalis, Nirvana Seeds White Widow x Northern Lights Automatic, Tiger One Bulk White Widow x Lowryder #2. Bei Seedsman steht unter der Auto-Version die photoperiodische Abstammung Brazilian x South Indian – der Elternteil, der die Autoflowering-Eigenschaft einbringt, fehlt dort ganz.

White Widow ist kein Sonderfall, nur der deutlichste. Bei Amnesia nennen zwei Marken Haze x Northern Lights, World of Seeds dagegen Ko Chang x Skunk, Cinderella 99 und Jack Herer – ohne einen einzigen gemeinsamen Elternteil.

Fazit

Der Sortenname sagt, wie etwas heißt, nicht, woher es kommt. Wer gezielt eine bestimmte Linie sucht, kommt an Züchter und angegebener Abstammung nicht vorbei. Welche Merkmale eine Herkunftsangabe belastbar machen, behandelt der Grundlagenbeitrag „Cannabissamen vergleichen: Woran sich gute Genetik erkennen lässt.“

Hinweis: Dieser Beitrag dient der neutralen Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Die genannten Abstammungen sind Angaben der jeweiligen Marken, nicht das Ergebnis einer genetischen Prüfung.

Quellen: DrGreen-Stammbaum (Strainbase/StrainAtlas), Katalogangaben der genannten Marken, Stand 9. Oktober 2026

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen
Cannabissamen vergleichen: Woran sich gute Genetik erkennen lässt.
Sortenname und Verpackung sagen wenig – aussagekräftig sind Herkunft, Zuchtstufe und die nachvollziehbare Arbeitsweise des Züchters.