Zum Inhalt springen
Royal Queen Seeds

Royal Queen Seeds auf DrGreen entdecken

Royal Queen Seeds
Gegründet 2007 Barcelona, Spanien 5 Min. Lesezeit
Alle Strains von Royal Queen Seeds zeigen

In der Gemüsezucht ist der F1-Hybrid seit Jahrzehnten Alltag: Man kreuzt zwei über viele Generationen reingezüchtete Elternlinien, und die erste Tochtergeneration fällt auffallend einheitlich aus. Im Cannabis-Saatgut war dieser Weg lange versperrt – die jahrelange Inzuchtarbeit, die davor liegt, braucht Zeit, Fläche und einen legalen Rahmen, und an allen dreien hat es der Branche gefehlt.

2023 hat Royal Queen Seeds diesen Schritt gemacht und als erste Samenbank echte F1-Hybriden für Heimgärtner angeboten. Das sagt einiges über ein Haus, das 2007 in Amsterdam begann und heute von Barcelona aus arbeitet: Es interessiert sich weniger für den nächsten Modenamen als für die unspektakuläre Frage, warum aus zehn Samen derselben Sorte zehn unterschiedliche Pflanzen werden.

Von der Damstraat nach Barcelona

Die eigene Zeittafel des Hauses setzt 2007 an, in einer Phase, in der es nach eigener Darstellung noch deutlich weniger Züchter gab als heute. Drei Jahre später, 2010, öffnete der erste Laden in der Amsterdamer Damstraat. 2011 folgte der Onlineshop – der Punkt, an dem aus einem lokalen Geschäft ein europäisches wurde. 2016 kam ein Ladengeschäft in der Carrer dels Tallers in Barcelona dazu; dort sitzt inzwischen auch die Firmenzentrale.

Danach wurde der Radius größer: 2022 eröffnete RQS ein vierstöckiges Haus in Bangkok, 2023 begann der Vertrieb in den USA, 2024 gab sich die Marke ein neues Logo und ließ es eine Weile neben dem alten weiterlaufen, statt es über Nacht auszutauschen. Wer die Stationen nebeneinanderlegt, sieht keine Sprünge, sondern ein geduldiges Ausrollen – erst der Laden, dann der Shop, dann die Länder.

Klassiker als Fundament, nicht als Deko

Ein guter Teil des Katalogs sind gepflegte Klassiker, keine Eigenerfindungen: OG Kush, White Widow, Northern Light und Amnesia Haze haben ihre Geschichte lange vor RQS begonnen. Was das Haus daraus gemacht hat, trägt trotzdem seine Handschrift: Die hauseigene Bestenliste führen Special Queen #1 und Special Kush #1 an, zwei bewusst schlicht gehaltene Sorten, gefolgt von Northern Light Auto und OG Kush.

Daneben stehen die Linien, die den Namen der Marke tragen – Royal Gorilla, Royal Cookies, Royal Domina, Royal Moby –, hauseigene Auslesen bekannter Genetiken. Green Gelato steht in der Kollektionsliste des Hauses weit vorn, die Auto-Version in dessen Top Ten. Der Katalog ist damit eher ein Archiv mit angeschlossener Werkstatt als eine Neuheitenwand.

Was an F1 anders ist

Ein gewöhnlicher Hybrid entsteht, wenn zwei beliebige Pflanzen gekreuzt werden – entsprechend unterschiedlich fallen die Nachkommen aus. Ein echter F1-Hybrid verlangt zwei reingezüchtete Linien, und erst deren Kreuzung ergibt eine Generation, die in Wuchs und Reifezeit weitgehend gleich läuft. Genau das war der Anspruch, mit dem RQS 2023 seine erste F1-Serie startete: acht Sorten zum Auftakt, allesamt feminisiert, wie Global Head of Breeding Andreu Francés festhält.

Bewährt hat sich die Reihe auch außerhalb des eigenen Marketings: Gaia F1 Auto belegte bei ihrem ersten Wettbewerbsauftritt den zweiten Platz für die beste neue autoflowering Sorte. Titan F1 Auto führt das Haus selbst als seine Sorte des Jahres 2025 – eine hauseigene Auszeichnung, kein Jurypreis, aber ein Hinweis darauf, worauf man dort gerade stolz ist.

Fünf Schritte, bevor der Samen in die Tüte kommt

Ungewöhnlich offen ist RQS bei dem, was zwischen Ernte und Verkauf passiert. Der beschriebene Ablauf hat fünf Stufen: Zuerst werden die getrockneten Samen mit Luftreinigungstechnik von Pflanzenresten, leeren und gebrochenen Körnern getrennt. Dann folgt die Größensortierung über ein System aus sechs Sieben. Für den Profimarkt kommen zwei weitere Schritte hinzu – eine dünne Beschichtung mit Mikronährstoffen und Antipilzmitteln, erkennbar an einer organischen Einfärbung, und eine kontrollierte Trocknung. Am Ende steht der Keimtest je Charge.

Das ist wenig glamourös und beantwortet doch die Frage, die vor jedem Kauf steht. Dass die Branche bei der Saatgut-Qualitätskontrolle hinter dem klassischen Gartenbau herhinkt, schreibt das Haus dabei selbst – eine seltene Zurückhaltung in einem Markt, der gern das Gegenteil behauptet.

Tyson 2.0 und die Frage nach dem Namen

Im Februar 2024 wurde Royal Queen Seeds exklusiver globaler Saatgut-Partner von Tyson 2.0, der Cannabis-Marke rund um Mike Tyson. Die Partnerschaft ist auf drei Jahre angelegt; sechs Sorten standen zum Start bereit – darunter Gelato 44, Dynamite Diesel, Punch Pie, NYC Sour D Auto, GOATlato Auto und Corkscrew Auto –, zwölf weitere sind angekündigt.

Prominentennamen auf Samentüten sind selten ein Qualitätsmerkmal. Interessant an dieser Verbindung ist deshalb weniger der Boxer als die Arbeitsteilung: Die Genetik kam aus dem Umfeld der Marke, das Vermehren, Prüfen und Ausliefern übernimmt der Partner mit der Infrastruktur. Wie belastbar das ist, entscheidet sich an denselben Kriterien wie beim Rest des Katalogs.

Der Trophäenschrank

Die Sammlung an Branchenpreisen ist beachtlich und gut dokumentiert:

  • Best Seed Bank bei Spannabis 2019 und 2024
  • Best Cannabis Seedbank bei der IndicaSativa Trophy 2019 und 2023
  • Best Seed Bank bei den Emjays 2023 und 2024
  • Best Seed Bank bei den International Cannabis Awards 2024 und 2025
  • Best Breeder bei den Grow Diaries Awards 2023 und 2026, 2026 zusätzlich Best Autoflower Breeder

Dazu kommen Sortenerfolge: Mimosa gewann 2025 beim Highlife Cup die Kategorie Mostly Sativa, NYC Sour D Auto im selben Jahr Best Autoflower, Tangie den zweiten Platz bei den Outdoor Seeds. Cookies Gelato Auto Auto holte 2023 den dritten Platz als beste neue Sorte beim Autoflower World Cup, Green Crack Punch 2020 den ersten Platz in der Kategorie Mostly Sativa.

Royal Queen Seeds ist damit kein Geheimtipp, sondern das Gegenteil: eine der sichtbarsten Adressen Europas, die ihre Größe weniger über spektakuläre Einzelstücke als über Wiederholbarkeit begründet. Wer eine Sorte sucht, die beim zweiten Mal so ausfällt wie beim ersten, ist hier an der richtigen Stelle – und wer den Blick in die Zukunft mag, findet ihn in der F1-Abteilung.