Zum Inhalt springen
Dutch Passion

Dutch Passion auf DrGreen entdecken

Dutch Passion
Gegründet 1987 Amsterdam, Niederlande 5 Min. Lesezeit
Alle Strains von Dutch Passion zeigen

Wer heute Cannabissamen kauft, bekommt fast selbstverständlich weibliche Pflanzen. Diese Selbstverständlichkeit ist noch keine dreißig Jahre alt – und sie geht auf eine Amsterdamer Samenbank zurück, die in den 1990ern herausfand, wie sich feminisierte Samen überhaupt in Serie herstellen lassen.

Dutch Passion arbeitet seit 1987. Das macht die Bank zu einer der ältesten noch aktiven Europas – und zu einer der wenigen, die man nicht an einem Sortiment festmacht, sondern an einer Erfindung.

Ein Biologiestudent und eine Schublade voller Samen

Am Anfang steht Henk van Dalen, Biologiestudent an der Universität Amsterdam. Seit den 1970ern sammelte er, was an Cannabissamen in Amsterdam ankam: Material aus Afrika, Asien, Süd- und Nordamerika, angeschwemmt von einer Stadt, in der damals mehr durchreiste als anderswo. Aus dem Sammeln wurde Selektion, aus der Selektion 1987 ein Unternehmen.

Die Sammlung ist bis heute der eigentliche Kern des Hauses. Fast jede Linie, die Dutch Passion später bekannt gemacht hat, lässt sich auf Landrassen zurückführen, die in diesen Jahren zusammengetragen wurden – und auf die Geduld, sie über Generationen stabil zu bekommen.

Die Erfindung, die den Markt umgebaut hat

In den 1990ern gelang Dutch Passion die Produktion der ersten feminisierten Cannabissamen. Der Gedanke dahinter kam aus dem Gartenbau: Wenn sich einzelne Obst- und Gemüsekulturen in feminisierter Saatgutform anbieten lassen, sollte das theoretisch auch bei Cannabis möglich sein. Van Dalens naturwissenschaftliche Ausbildung lieferte die These, die Zuchtarbeit den Beweis.

Für die Branche war das ein Bruch: Was vorher als Risiko eingepreist war – die Hälfte der Pflanzen aussortieren zu müssen – verschwand aus der Rechnung. Henk van Dalen wurde dafür mit dem ersten „High Times Dutch Master Award“ ausgezeichnet. Heute ist feminisiertes Saatgut der Normalfall, und kaum jemand denkt noch daran, dass das einmal eine offene Frage war.

Klassiker, die geblieben sind

1997 kam Power Plant, eine Sativa mit südafrikanischen Wurzeln, gezüchtet auf große Erträge in kurzer Zeit. Sie wurde zu einem festen Posten auf den Karten der niederländischen Coffeeshops und gehört bis heute zu den meistkultivierten Sorten des Landes.

Ein Jahr später folgte Blueberry – und zwar nicht aus eigener Zucht. Die Linie stammt vom kanadischen Züchter DJ Short, der sie ab den 1970ern aus Landrassen aufgebaut hatte, darunter eine Highland Thai und eine Purple Thai. Van Dalen traf ihn in den 1990ern; 1998 brachte Dutch Passion Blueberry zusammen mit der übrigen „Blue Family“ auf den niederländischen Markt. Beim High Times Cannabis Cup 2000 gewann sie die Kategorie beste Indica.

Dazu kommen die Namen, die den Kernbestand ausmachen: White Widow, Mazar, Master Kush, Orange Bud, Durban Poison, Skunk #1. Keiner davon ist eine Neuheit, und genau das ist der Punkt – sie stehen seit Jahrzehnten im Katalog, weil sie sich reproduzieren lassen.

Züchten für Regen und kurze Sommer

Ein Teil der Arbeit findet nicht unter Lampen statt, sondern auf dem Feld. Für Frisian Dew selektierte Dutch Passion über mehrere Sommer im Freien im nördlichen Friesland – wer den nordeuropäischen Sommer überstand, blieb im Zuchtprogramm. Die Sorte erschien 2008, gewann im selben Jahr den Highlife Cup und ist seither die meistverkaufte Outdoor-Linie des Hauses.

Aus derselben Familie stammt Frisian Duck, eine Kreuzung aus Frisian Dew und Ducksfoot, deren verformte Blätter kaum als Cannabis zu erkennen sind. Soft Secrets Spanien kürte sie 2016 zur Plant of the Year. Hollands Hope und Passion #1 gehören in dieselbe Abteilung: Genetik für Klimazonen, in denen der Herbst früh anfängt.

Autoflower im zweiten Anlauf

Anfang der 2000er arbeitete Dutch Passion mit dem Joint Doctor zusammen, dem die ursprüngliche Entdeckung automatisch blühender Linien zugeschrieben wird. Die ersten Ergebnisse waren nach eigener Darstellung bestenfalls mittelmäßig – Ertrag und Qualität lagen deutlich unter dem, was die feminisierten Klassiker lieferten. Aus der Kooperation ging StarRyder Auto hervor, eine Kreuzung aus einem Dutch-Passion-Sativa-Klon und einer indicalastigen Automatik des Joint Doctor.

Die Bank blieb dabei, als andere das Thema wieder abschrieben. Mazar Auto, Think Different Auto und die späteren Generationen zeigen, wie weit die Linien seither gekommen sind – von der Notlösung für schwierige Standorte zu einer eigenständigen Kategorie im Katalog.

109 Pokale, und es werden mehr

Die Bilanz des Hauses steht bei 109 Cannabis Cups – eigene Angabe, aber eine, die sich Wettbewerb für Wettbewerb nachlesen lässt. Als Samenbank ausgezeichnet wurde Dutch Passion bei der Spannabis 2014 und beim Cannafest 2019 in Prag, 2022 wählten die Nutzer von GrowDiaries sie zum Best Breeder.

Bei den Sorten zieht sich die Reihe durch die Jahre: Jorges Diamonds #1 gewann 2013 den Highlife Cup, Kerosene Krash 2021 die Indica-Kategorie, SFV OG Auto 2023 die Autoflower-Wertung, Slush Mint Cake 2025 die Kategorie Mostly Indica. Ice Cream Haze wurde 2024 bei den Cannabis Industrie Awards als bestes Anbauprodukt ausgezeichnet, Skywalker Haze Auto holte beim Highlife Cup 2026 den dritten Platz.

Parallel dazu läuft das aktuelle Programm weiter: Frozen Biscotti, Melonade Runtz und Blue Zushi bringen amerikanische Genetik in den Katalog, Charlottes Angel CBD und CBG-Force decken die cannabinoidspezifischen Linien ab.

Dutch Passion ist damit das seltene Beispiel einer Samenbank, die zweimal etwas verändert hat, ohne dabei ihr eigenes Fundament abzuräumen: einmal mit den feminisierten Samen, einmal mit der Ausdauer beim Autoflower-Thema. Wer wissen will, wie europäische Cannabisgenetik in den letzten vier Jahrzehnten entstanden ist, kommt an diesem Katalog nicht vorbei.