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Nirvana Seeds

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Nirvana Seeds
Gegründet 1995 Heemstede, Niederlande 4 Min. Lesezeit
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Die meisten Samenbanken erzählen ihre Gründung als Aufbruch. Bei Nirvana Seeds fängt sie als Lehrzeit an: Der Gründer, den die Szene nur als Mau kennt, arbeitete Ende der Achtziger bei Positronics in Amsterdam – dem Laden, an dem sich die niederländische Growshop-Kultur überhaupt erst ausrichtete.

Erst Jahre später, nach Reisen, Testreihen und einer langen Folge von Kreuzungen, wurde daraus eine eigene Marke. Diese Reihenfolge – erst das Handwerk, dann das Firmenschild – merkt man dem Katalog bis heute an.

Ein Laden, der die Szene geprägt hat

Positronics eröffnete 1985; dahinter stand Wernard Bruining, der zuvor den Coffeeshop Mellow Yellow betrieben hatte, und der Laden gilt als erster Growshop Amsterdams. Bis zu seinem Ende 1997 lief dort zusammen, was die niederländische Szene an Wissen hatte. Mau, so erzählt es Nirvana selbst, holte sich hier seine botanische Grundlage.

Danach ging er sammeln. Er reiste, um Genetik zusammenzutragen, die ihn interessierte, und arbeitete das Gesammelte über Jahre durch: kultivieren, kreuzen, erneut kultivieren, aussortieren – so lange, bis eine Linie verlässlich genug war, um sie unter eigenem Namen abzugeben. 1995 wurde Nirvana offiziell gegründet.

Der Nachbar mit der Internetidee

Die zweite Wendung kam von nebenan. Wilfred, zu dem Zeitpunkt schlicht der Nachbar, bot Mau an, das Geschäft ins Netz zu holen. In den Neunzigern war das keine naheliegende Idee, sondern ein Wagnis ohne Vorbild – Samen über eine Website anzubieten, war zu dieser Zeit eine große Sache, wie es das Haus rückblickend nennt. Es funktionierte. Aus der kleinen Bank wurde eine Adresse mit Kundschaft in aller Welt; Wilfred führt sie seit über 25 Jahren, Mau ist im Ruhestand.

Die Firmenanschrift liegt heute in Heemstede, ein Stück außerhalb von Amsterdam. Die Herkunftsgeschichte bleibt trotzdem eine Amsterdamer – und die Marke führt die Stadt bis heute im eigenen Logo.

Wie hier gezüchtet wird

Die Beschreibung der eigenen Arbeit fällt bei Nirvana bemerkenswert nüchtern aus: klassische Kreuzungsarbeit, keine gentechnischen Eingriffe, keine Abkürzungen. Elternpflanzen werden vorab auf Stabilität und Potenz ausgewählt, die Mutterpflanzen von Hand. Zucht, Auslese und Abfüllung liegen im eigenen Haus; Zwischenhändler kommen in dieser Kette nicht vor. Für Zucht und Qualitätskontrolle steht dabei kein anonymes Labor, sondern ein kleines R&D-Team, das die Firma auf ihrer Teamseite namentlich aufführt.

Der Katalog spiegelt das wider: alte europäische Genetik neben jüngeren Hybriden aus den USA, ohne dass eine der beiden Seiten die andere verdrängt hätte. Das Haus beschreibt sich selbst als kleines Team – kompliziert sei nicht die Zucht, sondern alles, was um sie herum organisiert werden muss.

Klein geblieben, weit gekommen

Wie weit diese kleine Struktur trägt, zeigt die Liste der offiziellen Vertriebspartner: Nirvana führt dort Händler in den Niederlanden, Großbritannien, Spanien, Österreich, Deutschland, Italien und Tschechien, dazu in Kanada, Chile und Südafrika. Genetik aus einem kleinen niederländischen Betrieb steht damit in Regalen auf drei Kontinenten.

Sorten, die geblieben sind

AK-48 trägt ihre Ansage im Namen: Die Bank gab an, die Sorte könne unter idealen Bedingungen nach 48 Tagen fertig sein. Top 44 zielt in dieselbe Richtung. Jock Horror ist eine Dreifachkreuzung aus Northern Light, Skunk und Haze und war als die früher fertige Antwort auf den Jack jener Jahre gemeint. Chrystal geht auf White Widow zurück, rückgekreuzt mit Northern Light. Hawaii Maui Waui verrät ihre Herkunft im Namen: zwei hawaiianische Linien, zusammengeführt zu einer. Und Ice entstand nach Darstellung des Hauses aus einer Auslese unter Tausenden Pflanzen, mit Afghan, Shiva, Northern Light und einem besonderen Skunk in der Ahnenreihe.

Bemerkenswert ist, was in diesen Beschreibungen fehlt: der Anspruch, etwas grundstürzend Neues erfunden zu haben. Nirvana beschreibt seine Sorten als Arbeit an Bekanntem – früher fertig, gleichmäßiger, schärfer selektiert. Wer die Klassiker der Neunziger sucht, findet sie hier noch; wer die amerikanische Hybrid-Welle sucht, ebenfalls.

Was die Jurys gesagt haben

Auszeichnungen sammelt Nirvana nicht in der Menge, in der andere Häuser sie ausstellen – die belegten sind dafür eindeutig. Beim Highlife Cup, einem der ältesten Wettbewerbe der Niederlande, verzeichnet die Sortendatenbank SeedFinder drei Platzierungen:

  • 2002: erster Platz in der Kategorie Bio – Seedbanks mit Chrystal, vor Dutch Passion und Sensi Seeds
  • 2006: dritter Platz mit Master Kush
  • 2008: erster Platz in der Haze-Wertung der Seedbanks, mit der damaligen Katalogsorte Nirvana Special

Der oft zitierte Cannabis-Cup-Sieg von Ice aus dem Jahr 1998 gehört nicht dazu. Er steht in zahllosen Shop-Beschreibungen, in den greifbaren Ergebnislisten dagegen nicht – und bleibt hier deshalb eine Fußnote statt einer Trophäe.

Als Leitlinie gibt das Haus bis heute den Satz seines Gründers aus: verlässliche Genetik für Grower in aller Welt, die Klassiker der ersten Jahre bewahren und den Rest Schritt für Schritt verbessern. Ein bescheidener Anspruch – aber einer, an dem sich ein Katalog messen lässt, der viele seiner Namen seit den Neunzigern mitführt.

Nirvana Seeds ist keine Marke für Leute, die dem jeweils neuesten Namen hinterherlaufen. Sie ist eine für die, die wissen wollen, woher das Saatgut kommt, das sie in der Hand halten, und die eine Linie schätzen, an der seit drei Jahrzehnten dieselbe Handschrift arbeitet – gerade weil sie unspektakulär geblieben ist.