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Henk van Dalen: Der Biologe hinter Dutch Passion.

Wie aus einer Amsterdamer Samensammlung der 1970er-Jahre eine der ältesten aktiven Seedbanks wurde – und warum ihre beiden bekanntesten Neuerungen vor allem dem Anbau im kleinen Maßstab galten.
8. August 2026 durch
Henk van Dalen: Der Biologe hinter Dutch Passion.
Tom Jaud
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In der Geschichte der europäischen Cannabis-Genetik sind die Sorten meist bekannter als die Menschen dahinter. Henk van Dalen ist so ein Fall: Der Niederländer gründete 1987 in Amsterdam die Samenbank Dutch Passion, die seither durchgehend besteht und damit zu den ältesten Unternehmen ihrer Art zählt. Sein Beitrag liegt weniger in einer einzelnen Sorte als in zwei technischen Weichenstellungen, die den Anbau im kleinen Maßstab verändert haben. Dieser Text stützt sich auf öffentlich dokumentierte Angaben und beschreibt die berufliche Rolle, nicht die Privatperson.

Vom Biologiestudium zum Saatgutsammler

Van Dalen studierte in den 1970er-Jahren in Amsterdam Biologie; nach Darstellung des Unternehmens gehörten auch pharmakologische Lehrveranstaltungen dazu. In dieselbe Zeit fällt der Beginn seiner Sammeltätigkeit. Amsterdam war damals Umschlagplatz für importiertes Cannabis aus Afrika, Asien und Amerika – Material, das reichlich Samen enthielt. Aus diesen Beständen zog van Dalen Pflanzen heran, wählte aus und kreuzte weiter. 1987 wurde aus der Sammlung ein Unternehmen. Nach eigener Darstellung eröffnete er 1988 den Coffeeshop Homegrown Fantasy, der als erster in den Niederlanden ausschließlich einheimisch erzeugtes Cannabis führte; 1994 folgte der Hanfladen Green Lands. 1997 erhielt er den erstmals vergebenen High Times Dutch Master Award.

Feminisierte Samen: die erste Vereinfachung

Aus regulärem Saatgut wächst etwa die Hälfte der Pflanzen männlich – für die Blütenernte unbrauchbar und zugleich eine Bestäubungsquelle, die erkannt und entfernt werden muss. In den 1990er-Jahren beobachtete Dutch Passion, dass weibliche Pflanzen unter bestimmten Bedingungen selbst männliche Blüten ausbilden und deren Pollen ausschließlich weibliche Nachkommen hervorbringt. 1998 brachte das Unternehmen daraus feminisierte Samen in den Handel; mehrere Fachpublikationen beschreiben es übereinstimmend als das erste, das diesen Schritt kommerziell ging. Die frühen Chargen galten als unzuverlässig; später stellte das Unternehmen auf ein kontrolliertes chemisches Verfahren um. Für Menschen, die nur wenige Pflanzen ziehen, war der Unterschied dennoch grundlegend: Der aufwendigste Ausleseschritt entfiel weitgehend.

Autoflowering: die zweite

Die zweite Weichenstellung fiel in die frühen 2000er-Jahre. Dutch Passion arbeitete mit dem kanadischen Züchter zusammen, der unter dem Namen The Joint Doctor die frühe Autoflowering-Zucht auf Basis von Cannabis ruderalis geprägt hatte. Autoflowering-Pflanzen wechseln nicht wegen kürzer werdender Tage in die Blüte, sondern nach einer festgelegten Zeitspanne. Die ersten feminisierten Autoflowering-Sorten des Unternehmens, Auto Mazar und Think Different, brauchten nach Firmenangaben rund zehn bis elf Wochen von der Aussaat bis zur Ernte. Bemerkenswert ist die Selbsteinschätzung: Das Unternehmen beschreibt diese erste Generation rückblickend als bestenfalls mittelmäßig in Ertrag und Wirkstoffgehalt – erst spätere Zuchtstufen schlossen zu den klassischen Sorten auf.

Einordnung

Die Zuschreibung Erfinder der feminisierten Samen wird van Dalen und Dutch Passion in der Fachpresse regelmäßig gemacht; belegbar ist, dass das Unternehmen solches Saatgut 1998 als erstes breit verfügbar machte und dass es heute Branchenstandard ist. Über Dutch Passion erreichte auch fremde Genetik ein größeres Publikum: Die Blueberry-Linie des US-Züchters DJ Short erschien Ende der 1990er-Jahre über das Unternehmen und gewann 2000 den High Times Cannabis Cup in der Kategorie Indica. Beide Neuerungen, feminisierte und autoflowering Samen, richteten sich an dieselbe Gruppe: an Menschen, die eine Handvoll Pflanzen für den Eigenbedarf ziehen und weder Platz noch Anlass für großflächige Auslese haben. Über van Dalens heutige Funktion im Unternehmen liegen keine belastbaren aktuellen Angaben vor; Berichte aus den 2020er-Jahren beschreiben ihn als denjenigen, der Dutch Passion über drei Jahrzehnte geführt hat.

Quellen: Dutch Passion Seed Company, „About us“ sowie „Everything you wanted to know about the history of Dutch Passion“ (Unternehmensdarstellung); Dutch Passion Seed Company, „The untold story of autoflowering cannabis strains“ (2021); SunGrownMidz, „Breeding the Culture: Henk van Dalen and Dutch Passion“, Beard Bros Pharms (2021); Honeysuckle Magazine, „From Seed to Legend: How Dutch Passion Redefined Cannabis Genetics and Culture“ (2024); Stoney Tark, „Remembering the Roots of Cannabis Culture in The Netherlands with Dutch Passion“, The Emerald Magazine (2025)

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