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DJ Short: Der Züchter hinter der Blueberry-Linie.

Aus drei importierten Landrassen entstand um 1980 im Nordwesten der USA eine Sortenfamilie, die den fruchtbetonten Zweig der Cannabis-Genetik bis heute prägt.
8. August 2026 durch
DJ Short: Der Züchter hinter der Blueberry-Linie.
Tom Jaud
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Kaum ein Name taucht in internationalen Sortenlisten so häufig auf wie Blueberry – der Mensch dahinter blieb dagegen jahrzehntelang im Hintergrund. DJ Short ist ein Pseudonym: Die beiden Buchstaben stehen für die Vornamen des US-amerikanischen Züchters, nicht für „Disc Jockey". Seit den späten 1970er-Jahren arbeitet er an einer überschaubaren Zahl von Linien, die heute zum festen Bestand der weltweiten Cannabis-Genetik gehören. Dieser Beitrag bildet öffentlich dokumentierte Stationen und Leistungen ab, keine private Bewertung der Person.

Vom Mittleren Westen nach Oregon

Short wuchs in Inkster bei Detroit auf und ging mit 21 Jahren nach Oregon, wo er Biologie und kognitive Psychologie studierte, ohne später in einem der beiden Fächer zu arbeiten. Seine erste Aussaat beschreibt er als Nebenprodukt von Neugier: 1973 keimte er hawaiianische Samen in einem improvisierten Anzuchtgefäß. Zur systematischen Zuchtarbeit wurde daraus gegen Ende des Jahrzehnts. Der Nordwesten der USA war dafür ein günstiger Ort – über die Musik- und Reiseszene rund um Eugene gelangte damals Saatgut aus aller Welt in die Hände lokaler Gärtner:innen und von dort weiter nach Nordkalifornien.

Drei Landrassen, eine Sortenfamilie

Nach seiner eigenen, vielfach nachgedruckten Darstellung gehen alle bekannten Linien auf drei Ausgangspflanzen zurück: eine Highland-Thai, im Umlauf unter dem Namen „Juicy Fruit"; eine als Purple Thai bezeichnete Kreuzung aus Chocolate Thai und Highland Oaxacan Gold; sowie eine afghanische Indica, die über die Anbaugemeinschaft in Kalifornien und Süd-Oregon zu ihm kam. Aus der Purple Thai und dem afghanischen Männchen entstand Flo; aus Flo und der Highland Thai schließlich Blueberry. Sein Sohn JD Short datiert das erste Auftauchen des charakteristischen Phänotyps auf etwa 1979, die fertigen Linien werden auf 1981 datiert.

Auslese nach Aroma statt nach Wirkstoffgehalt

Methodisch fällt eine Umkehr auf: Während in der Szene üblicherweise indicadominierte Mütter bestäubt wurden, nutzte Short sativadominierte Mutterpflanzen und afghanische Väter – schlicht, weil er die Sativas bevorzugte. Sein Auswahlkriterium über die Generationen hinweg war nicht der Wirkstoffgehalt, sondern das Aroma, der Gesamteindruck einer Pflanze und ihre Wiedererkennbarkeit. Der später verbreiteten Fixierung auf möglichst hohe THC-Werte steht er bis heute skeptisch gegenüber. Sein 2003 erschienenes Buch Cultivating Exceptional Cannabis fasst diese Auslesearbeit zusammen und ist bis heute die ausführlichste Selbstdarstellung seiner Methode.

Amsterdam und die „Blue Family"

International bekannt wurde die Genetik über Europa. In den 1990er-Jahren traf Dutch-Passion-Gründer Henk van Dalen auf Short; 1998 brachte das Amsterdamer Unternehmen die sogenannte Blue Family auf den niederländischen Markt – Blueberry, Blue Velvet, Blue Moonshine, Blue Heaven und Flo. Im Jahr 2000 gewann Blueberry den High Times Cannabis Cup in der Indica-Kategorie. High Times nahm Short später in seine Seed Bank Hall of Fame auf; ein Magazinporträt von 2013 trug den Titel „The Willy Wonka of Pot" – eine Zuschreibung, die seither häufig zitiert wird.

Was von der Linie geblieben ist

Der Einfluss lässt sich weniger an einer einzelnen Sorte ablesen als an einer ganzen Geschmacksrichtung: Blueberry etablierte fruchtig-beerige Aromen als eigenständiges Zuchtziel neben den bis dahin dominierenden erdigen und würzigen Profilen. Hunderte, je nach Zählung sogar tausende Hybriden berufen sich inzwischen auf diese Abstammung, von Blue Cheese bis Bubble Berry. Genau darin liegt die Ironie: Der Name Blueberry sagt heute wenig darüber aus, ob tatsächlich Shorts Arbeit dahintersteht. Er selbst gibt weiterhin Saatgut unter eigenem Namen heraus – in kleinen Auflagen und mit demselben Auswahlprinzip wie vor vierzig Jahren.

Quellen: Jason Fagone: The Willy Wonka of Pot, Grantland (2013); Willamette Week: Interview mit JD Short über die Ursprünge von Blueberry (2017); DJ Short: Cultivating Exceptional Cannabis – An Expert Breeder Shares His Secrets (2003); DJ Short Seeds (djgenetics.com): About DJ Short; Dutch Passion: Original Blueberry Cannabis Strain Story – Firmenhistorie zur Blue Family; Soft Secrets: Classic Cannabis Strains – Blueberry by DJ Short (2015)

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