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In House Genetics

In House Genetics auf DrGreen entdecken

In House Genetics
Seattle, Washington 5 Min. Lesezeit
Alle Strains von In House Genetics zeigen

Die meisten Samenbanken findet man über ihre eigene Website. In House Genetics findet man über die Stammbäume anderer Leute: als Elternteil in fremden Sortenlisten, als Ausgangspunkt von Linien, die längst ein Eigenleben führen. Die eigene Domain zeigt derzeit eine unfertige Baustellenseite.

Ob das Absicht ist oder schlicht Desinteresse an Selbstdarstellung, lässt sich von außen nicht sagen. Das Ergebnis ist in beiden Fällen dasselbe: Wer über dieses Haus etwas erfahren will, muss die Pflanzen lesen.

Was sich belegen lässt – und was nicht

Belegt ist der Standort: Seattle im US-Bundesstaat Washington. Fachpresse und Sortendatenbanken stimmen darin überein. Danach wird es dünn. Ein Gründungsjahr ist nirgends sauber dokumentiert, die Namen der Beteiligten kursieren fast nur in Shop-Beschreibungen, und dort, wo sie auftauchen, widersprechen sie einander. Wir tragen diese Lücke hier offen, statt sie mit einer griffigen Gründergeschichte zu schließen.

Bei den Auszeichnungen dasselbe Bild: keine Cup-Siege, die sich belastbar nachweisen ließen. Das Ansehen dieses Hauses ist nicht über Jurys entstanden, sondern über die Arbeit anderer Züchter mit seinem Material.

Platinum, die Pflanze, auf der vieles steht

Am Anfang steht eine selbstbestäubte Auslese namens Platinum, gezogen aus UW Hashplant und Permafrost – Hashplant-Genetik auf der einen, die Trainwreck-White-Widow-Kreuzung Permafrost auf der anderen Seite. Das ist bemerkenswert unmodisch: In den Jahren, in denen der Rest der Branche kalifornische Dessert-Schnitte durcheinanderkreuzte, wählte In House Genetics als Hauspflanze etwas aus, das rauer und deutlich älter ist.

Aus dieser einen Pflanze ist eine ganze Reihe geworden: Platinum Kush Breath und Platinum Kush Breath Remix, Platinum Garlic, Platinum Gorilla, Platinum Jelly, Platinum Dosi, Platinum Dosha, Platinum Zushi, Platinum Valley, Platinum Purple Candy, Platinum Scout V2. Das Präfix ist hier weniger Marketing als Herkunftsangabe.

Die zweite Achse: OGKB

Die andere Konstante heißt OG Kush Breath, kurz OGKB – ein Abkömmling der Cookies-Familie, der in den Stammbäumen dieser Jahre immer wieder auftaucht. In House Genetics führt ihn nicht als eigene Sorte, sondern benutzt ihn als Werkzeug: Do-Si-Dos, selbst eine Kreuzung aus OGKB und Face/Off OG, steht im Katalog immer wieder als Elternteil, Mendo Breath (OGKB x Mendo Montage) ebenso.

In Platinum Kush Breath treffen beide Achsen direkt aufeinander: die Hauspflanze aus dem Nordwesten auf OGKB v2.1. Das ist, in einem Satz, die Handschrift dieses Hauses. Wie weit sie trägt, zeigt der Vergleich zweier Sorten mit derselben Elternhälfte: Jelly Breath S1 kreuzt Do-Si-Dos mit Mendo Breath, Dolato kreuzt es mit Gelato #41 – und heraus kommen zwei sehr verschiedene Pflanzen.

S1: aus einem Schnitt wird Saatgut

Die begehrtesten Pflanzen dieser Szene existieren oft nur als Steckling. Wer den Schnitt nicht hat, kommt an die Genetik nicht heran, und mit jedem Besitzerwechsel wächst die Wahrscheinlichkeit, dass unterwegs etwas verwechselt wurde. In House Genetics geht deshalb regelmäßig den umgekehrten Weg und selbstet die eigene Auslese: Die Pflanze wird mit sich selbst bestäubt, das Ergebnis trägt den Zusatz S1 und liegt als feminisiertes Saatgut vor.

Dolato, ursprünglich nur als reguläres Saatgut zu haben, ist auf diesem Weg zu Dolato S1 geworden; Jelly Breath S1 und Slurricane #7 S1 sind ebenso entstanden. Eine Selbstung hält einen bestimmten Schnitt fest, statt ihn in der nächsten Kreuzung aufzulösen – der Katalog konserviert damit seine eigenen Meilensteine, statt sie nur weiterzuverarbeiten.

Slurricane und die nummerierten Schnitte

Slurricane, die Kreuzung aus Do-Si-Dos und Purple Punch – letztere selbst aus Larry OG und Granddaddy Purple –, ist die bekannteste Arbeit des Hauses. Interessanter als die Sorte ist allerdings, was danach mit ihr geschah.

Slurricane IX zum Beispiel ist keine Selektion, sondern die Kreuzung zweier eigener Schnitte: der #7 mit der #44. Die Nummern sind dabei keine Koketterie, sondern Arbeitsprotokoll. Aus einer Aussaat werden einzelne Pflanzen ausgesucht, durchnummeriert und weiterverwendet; wer die Nummer im Namen liest, weiß, welche Einzelpflanze gemeint ist. Und mit Sugar Cane gibt es die Stelle, an der die Platinum-Linie und Slurricane aufeinandertreffen.

Ein Katalog voller Fußnoten

Wer die Sortennamen dieses Hauses nebeneinanderlegt, liest die Zuchtarbeit in Kurzschrift mit. S1 steht für die Selbstung, BX für eine Rückkreuzung auf einen Elternteil, V2 für eine überarbeitete zweite Fassung, die Raute für eine nummerierte Einzelpflanze. Crystal Cookies V2, Zurple Punch BX, Platinum Scout V2, Slurricane #7 S1 – jeder dieser Namen sagt, was mit der Pflanze gemacht wurde. Das ist unromantisch, aber ehrlicher als die meisten Fantasienamen der Branche.

Eigene Eltern, immer wieder

Auffällig ist, wie selten fremde Genetik zugekauft wird. Black Cherry Punch verbindet Purple Punch mit Black Cherry Pie, und Black Cherry Pie ist selbst eine über mehrere Generationen selektierte Arbeit des Hauses. Deluxe Sugarcane und Bananacane setzen die Namensfamilie um Sugar Cane fort, Platinum Jelly und Jellysickle die um Jelly Breath. Wer die Stammbäume nebeneinanderlegt, findet ständig dieselben paar Pflanzen wieder, nur anders kombiniert.

Das erklärt, warum Sorten mit sehr unterschiedlichen Namen erkennbar zusammengehören – und warum die Handschrift auch dann noch durchkommt, wenn eine Kreuzung längst bei einem anderen Züchter im Katalog gelandet ist.

In House Genetics ist damit kein Haus für Leute, die eine Gründerlegende, ein Jubiläumsjahr und eine Vitrine voller Pokale sehen wollen – das alles gibt es hier schlicht nicht. Es ist ein Haus für Leute, die Stammbäume lesen: eine Handvoll eigener Elternpflanzen, konsequent durchgekreuzt, dokumentiert vor allem durch die Arbeit derer, die damit weitergemacht haben. Der Markenname ist dabei wörtlicher gemeint, als er klingt.