Fast jede Samenbank führt inzwischen Autoflowering-Sorten. Bei Mephisto Genetics ist es umgekehrt: Das Haus hat nie etwas anderes verkauft. Kein Photoperioden-Sortiment, keine zweite Standbein-Linie, seit der ersten Veröffentlichung 2014 ausschließlich Autos.
Das ist keine Nische, in die jemand hineingerutscht wäre. Es ist das Ergebnis einer alten Streitfrage zwischen zwei Mitbewohnern.
Zwei Mitbewohner, ein Streit über Qualität
Mitch Connor und Tim Burch lernten sich 2003 an der Universität kennen – der eine im ersten Jahr Design, der andere in der Ausbildung zum Pfleger. Um 2007 zogen sie zusammen und legten ihren ersten gemeinsamen Grow an. Mitch war früh bei den Autoflowering-Sorten gelandet und hängte Tim in den häuslichen Wettbewerben regelmäßig ab; Tim wiederum hielt das, was da schneller fertig wurde, qualitativ für keinen Vergleich mit guten Photoperioden. Aus dieser Reibung wurde die Aufgabe, an der die beiden bis heute arbeiten.
Zwischen 2008 und 2012 entstanden die ersten eigenen Auto-Hybriden – noch nicht als Produkt gedacht, sondern als Elternmaterial für das, was später den Namen Mephisto tragen sollte.
Der Umzug nach Spanien
Im Herbst 2012 verlegten die beiden ihre Projekte auf eine Farm in Spanien, um sie im größeren Maßstab weiterzuführen. Kurz darauf zogen Hühner und Schweine mit ein – die Tiere sind der Ursprung der „Farm Friends“, die der Marke bis heute ihre Bildsprache geben. Im November 2013 bekam das Unternehmen seinen Namen, im Mai 2014 erschienen die ersten Originals. 2017 kauften die Gründer eine eigene Liegenschaft für den Anbau, Ende 2019 lief eine zweite Farm an. Der Firmensitz liegt heute in Barcelona.
Warum es hier nur Autos gibt
Eine Photoperiode in eine stabile Autoflowering-Linie zu überführen, ist Arbeit von Jahren und mehreren Generationen, bis das Merkmal zuverlässig durchschlägt. Mephisto veröffentlicht seine Sorten typischerweise erst in der fünften Generation; an einer Linie arbeitete das Team nach eigener Auskunft sechs Jahre, eine andere brauchte fast sieben Generationen, bis sie so ausfiel, wie sie sollte. Das Verfahren dahinter ist immer dasselbe: einen ausgesuchten Photoperioden-Klon in die eigenen Auto-Linien einkreuzen und das Ergebnis über Generationen zurück in feminisierte Autos züchten.
Wie das konkret aussieht, zeigt der Wettbewerbsbeitrag von 2024: Für „Old School Mango Haze“ kreuzte Mephisto einen seit rund dreißig Jahren gehaltenen Old-School-Haze-Klon des Super Sativa Seed Club in die hauseigene Mango Smile Auto ein. Beim American Autoflower Cup reichte es damit für Platz zwei in der Sativa-Kategorie. Solche alten Schnitte sind der Grundstock, aus dem das Haus arbeitet – und der Grund, warum eine Veröffentlichung Jahre braucht statt Monate.
Gezüchtet wird im eigenen Haus. Was mit zwei Leuten auf einer Farm anfing, verteilt sich heute auf zwölf Mitarbeiter in fünf Ländern – Spanien bleibt Forschung und Entwicklung, Teile der Arbeit laufen über Kalifornien, Kanada und die USA. Ausgelagert wird die Zucht selbst nicht.
Originals, Artisanals, Reserva
Der Katalog ist in Reihen geordnet, und ihre Abfolge erzählt die Firmengeschichte mit. Die Originals von 2014 sind das Fundament. Im Januar 2016 kamen die Artisanals dazu, im Frühjahr desselben Jahres die Illuminautos – kleine, schnell vergriffene Auflagen. 2020 entstand daraus die Reserva-Linie: Specials und Illuminautos, die es verdient hatten zu bleiben, mindestens bis in die dritte Generation weitergezüchtet und wiederveröffentlicht. Im selben Jahr eröffnete Canna-Cheese CBD 1:1 Auto die Medicinal-Reihe.
Ein europäisches Haus mit amerikanischer Kundschaft
Ab 2017 stellte Mephisto den ersten Mitarbeiter in den USA ein, allein für den Vertrieb vor Ort; 2018 folgte der erste in Großbritannien, kurz darauf Kanada. Das war keine Expansionsstrategie, sondern eine Reaktion auf die eigene Kundschaft: Der weitaus größte Teil der Samen geht nach Nordamerika, geschätzt rund vier Fünftel. Gezüchtet und entwickelt wird trotzdem weiter in Spanien.
Ein Katalog mit Sinn für Unsinn
Wer die Sortenliste durchgeht, merkt schnell, dass hier niemand einen Markenberater gefragt hat. 4 Assed Monkey Auto, ManBearAlienPig Auto, Samsquanch OG Auto: Die Namen sind Insiderwitze, Zeichentrick-Anspielungen und Wortspiele, die eine Marketingabteilung keine Woche überlebt hätten. Daneben stehen ganze Namensfamilien, die zusammengehören – Walter White Auto, Skylar White Auto, Heisenberg Special Auto –, und mit Hubbabubbasmelloscope Auto eine Linie, deren Ausgangsmaterial bis ins Amsterdam der Neunziger zurückreicht.
Pause, Lockdown, Rückkehr
2019, nach sieben Jahren ununterbrochener Sortenentwicklung, legten die Gründer bei den Neuzüchtungen eine Pause ein. Ende des Jahres lief der Anbau auf der zweiten Farm wieder an – und wurde 2020 von den Corona-Ausgangsbeschränkungen erneut gestoppt. Erst 2021 kam der Betrieb vollständig zurück; 2022 feierte Mephisto zehn Jahre.
Was die Jurys sagen
Die Anerkennung der Szene kam in den Jahren danach geballt:
- Best Seed Bank beim Autoflower World Cup in Barcelona – 2023, 2024 und 2025
- Bester Breeder beim American Autoflower Cup in Los Angeles – 2023 und 2024
- Beste Autoflower 2025 beim Autoflower World Cup für Iced n Baked Auto
- Bester Auto-Hybrid 2025 beim American Autoflower Cup für Sundae Thumper Auto
Was Mephisto Genetics im Regal auszeichnet, ist nicht die Breite, sondern die Beschränkung. Ein Haus, das seit über einem Jahrzehnt an genau einer Frage arbeitet und für eine einzelne Linie auch mal sechs Jahre braucht, produziert keine Kataloge, sondern Linien. Die 64 Sorten, die wir davon führen, sind das Ergebnis dieser Geduld.