Zum Inhalt springen
Medical Seeds

Medical Seeds auf DrGreen entdecken

Medical Seeds
Gegründet 2005 Barcelona, Spanien 5 Min. Lesezeit
Gegründet in Barcelona, Spanien
2005
Alle Strains von Medical Seeds zeigen
Inhalt · 5 Kapitel

Der Name legt eine Fährte, die in die falsche Richtung führt. Wer bei Medical Seeds eine Bank erwartet, die vor allem milde Sorten für therapeutische Zwecke züchtet, wird vom Katalog überrascht: Die Genetiken, die dieses Haus bekannt gemacht haben, sind ausgewachsene Haze-Sativas. 2046, eine Kreuzung aus Neville's Haze und Kali Mist, braucht dreizehn bis fünfzehn Wochen – und wird von der Bank selbst ausdrücklich nicht für Einsteiger empfohlen.

Beides stimmt trotzdem. Neben dem Haze-Zweig steht eine auffallend breite Reihe von CBD- und CBG-Sorten. Und die eigentliche Eigenart dieses Hauses liegt noch einen Schritt weiter: nicht in der Blüte, sondern in dem, was man aus ihr macht.

Barcelona, 2005

Gegründet wurde Medical Seeds 2005 in Barcelona, wo die Firma bis heute sitzt. Aufgebaut und geführt wird sie von Javier Ruano, der aus Pamplona stammt. Das erklärte Ziel war von Anfang an ein bescheidenes: Genetik nicht neu erfinden, sondern bereits ausgelesene Linien so lange weiterzüchten, bis Saatgut von verlässlicher Qualität dabei herauskommt.

Dazu passt eine Entscheidung, die in einer Branche mit Skaleneffekten erklärungsbedürftig ist: Die Bank produziert bewusst in kleiner Auflage. Jede Sorte wird getrennt geführt und über den ganzen Zyklus beobachtet – wie sie auf Schädlinge und Düngung reagiert, wie lange sie blüht, wie sie drinnen und draußen abschneidet, wie sie mit Kälte und Schimmel umgeht. Erst danach geht sie in den Handel. Gezüchtet und an lebenden Pflanzen geforscht wird nach eigenen Angaben ausschließlich in Ländern, in denen der Anbau legal ist.

Eine Handschrift, die nach Haze schmeckt

Legt man die Abstammungen des Katalogs nebeneinander, ergibt sich ein Muster, das kaum Zufall sein kann. Y Griega ist eine Kreuzung aus Amnesia Haze und Kali Mist, 2046 aus Neville's Haze und derselben Kali Mist, Deep Neville aus Neville's Haze und einem Deep Chunk, Malakoff aus Strawberry Haze und White Widow, und Jack La Mota ein mehrfacher Hybrid aus Northern Lights #5, Haze und Skunk. Fünf der bekanntesten Pflanzen des Hauses führen damit auf dieselbe Familie zurück.

Innerhalb dieser Familie geht das Haus durchaus verschiedene Wege. Y Griega erreichte in einer Gaschromatographie von CANNA Research den höchsten THC-Wert aller hauseigenen Pflanzen; Malakoff blüht dagegen kurz und gilt als schimmelresistent, was sie für feuchte Sommer im Freien interessant macht – bändigen muss man ihren Wuchs nach Angaben der Bank allerdings können.

Eine Kehrtwende hat sich das Haus trotzdem erlaubt. Mit Deep Neville brachte es bewusst eine reguläre, also nicht feminisierte Sorte heraus – mit der Begründung, dass man angesichts der Professionalisierung des Sektors zurück zu den Wurzeln gehe. Der Deep-Chunk-Vater dafür kam aus der privaten Auslese eines befreundeten Züchters.

Wo die Cups tatsächlich herkommen

Die Preisliste des Hauses hat eine Schlagseite, und sie ist zu regelmäßig, um Zufall zu sein: Sie fällt immer wieder in dieselbe Richtung. Die Spannabis ist dafür der deutlichste Beleg – dort steht Medical Seeds ausschließlich in Extraktionsklassen, und mehrfach an erster Stelle.

  • 2008 und 2010 – erster Platz Extraktion mit Channel +, Spannabis Cup Barcelona
  • 2011 – erster Platz Extraktion mit 1024, Spannabis Cup Barcelona
  • 2014 – erster Platz mechanische Extraktion mit Mendocino Purple Kush, Spannabis Cup Barcelona
  • 2015 – erster Platz Extraktion mit Lösungsmitteln, Deep Neville, Spannabis Málaga

Das ist Programm, nicht Zufallsprofil. Ruano gilt in Spanien als Fachmann für Extraktion, gibt Kurse dazu und hat gemeinsam mit Jak de Sostoa ein Handbuch darüber geschrieben: „Extracciones Cannábicas“, 2016 erschienen, zweisprachig und reich illustriert. Und die Hardware stellt das Haus gleich selbst her – eine eigene Siebbeutel-Linie aus lasergeschnittenem Nylon, von 25 bis 220 Mikron, samt Rosin- und Waschbeuteln. Eine Samenbank, die auch das Werkzeug für die Zeit nach der Ernte liefert, ist selten.

Die zweite Linie: CBD und CBG

Die therapeutische Seite des Namens löst das Haus über Cannabinoid-Profile ein, nicht über Versprechen. Y Griega CBD ist die eigene Sativa, gekreuzt mit einer CBD-Linie, und hält ein Verhältnis von eins zu eins zwischen THC und CBD; daneben stehen Y Griega CBD 2.0, OG Kush CBD, Red Cross CBD, Recovery CBD, Elixir Vitae CBD und Strawberry Cake CBD.

Der interessanteste Einzelfall ist Eboshi CBG. Die Sorte ist ein Polyhybrid aus CBG-reichen Auslesen der schweizerischen und italienischen Alpen und erreicht nach Angaben der Bank bis zu fünfzehn Prozent CBG, während THC und CBD jeweils unter 0,2 Prozent bleiben, also praktisch verschwinden. Ihr Bau ist indicatypisch, kurz im Internodienabstand und widerstandsfähig gegen Pilze – was sie für feuchte Klimazonen interessant macht.

Ein Publikum auf der anderen Seite des Atlantiks

Die Cup-Liste kippt auffallend über den Atlantik. Argentinien stellt mit Abstand die meisten Platzierungen, danach folgen Chile und Uruguay; zusammen machen sie mehr als ein Drittel aller Platzierungen aus. Bemerkenswert ist dabei das Datum: Die ersten argentinischen Siege stehen bereits 2010 in der Liste – mehr als ein Jahrzehnt, bevor die Bank dort im Januar 2022 offiziell mit dem Vertrieb begann. Der Ruf war also lange vor dem Vertriebsweg da.

Ruano hat diese Verbindung 2022 persönlich nachgezogen und die großen Messen in Chile, Argentinien und Uruguay abgeklappert, Extraktionskurse im Gepäck. Auch Kanada steht in der Liste, und dort besonders dicht in einem einzigen Jahr: 2016 holte Jack La Mota beim Lift Cup in Toronto, beim Karma Cup und beim Canadian Glass Gathering jeweils den ersten Platz als beste Sativa, beim Memorial Cup den zweiten.

Im Regal steht Medical Seeds damit für eine Kombination, die selten zusammenfällt: Haze-Genetik mit langem Atem, eine ernst gemeinte CBD- und CBG-Reihe daneben – und ein Haus, dessen Qualitätsanspruch man weniger an den Blüten abliest als an dem, was nach der Ernte aus ihnen wird.