House of the Great Gardener auf DrGreen entdecken
- Gegründet in Barcelona, Spanien
- 2014
Inhalt · 6 Kapitel
Die Firma datiert sich selbst auf 2014. Die Trophäenliste des Hauses beginnt drei Jahre früher.
Das ist kein Buchhaltungsfehler, sondern die kürzeste Zusammenfassung dieser Samenbank: Die Genetik war lange vor dem Unternehmen da. House of the Great Gardener entstand, nachdem die Leute dahinter über ein Jahrzehnt lang für kanadische Compassion Clubs gearbeitet hatten – Zusammenschlüsse, die Patienten versorgten, als das in Kanada noch eine juristisch heikle Angelegenheit war. Was heute als Saatgut im Katalog steht, war damals eine Ernte, auf die jemand wartete.
Die Jahre vor der Firma
Die Zucht begann nicht mit einer Marktlücke, sondern mit einer Rückfrage. Haoma, die erste eigene Sorte des Hauses, entstand nach eigenen Angaben mit Beiträgen von Patienten der Vancouver Island Compassion Society. Gekreuzt wurde eine Purps-Mutter – schön anzusehen, farbige Blüten, Beerenduft, aber schwach im Aufbau – mit einem Vater aus dem eigenen Bestand. Die Nachkommen legte das Haus anschließend den Mitgliedern der Gesellschaft zur Auswahl vor. Welcher Phänotyp bleiben durfte, entschied damit nicht der Züchter allein.
Haoma war folgerichtig auch die erste Sorte, die dem Haus eine Auszeichnung einbrachte. Mat, der Züchter, arbeitet nach eigener Darstellung seit über 25 Jahren an derselben genetischen Linie – eine Zeitspanne, in der andere Häuser zweimal das Sortiment und dreimal die Philosophie gewechselt haben.
Ein Vater für fast alles: Ghani AF
Wer die Elternangaben der älteren Sorten nebeneinanderlegt, stolpert immer wieder über denselben Namen. Ghani AF, ein Indica-Vater aus eigenem Bestand, steckt in Haoma, in Digweed und in Barbara Bud. Das Haus beschreibt ihn auffallend nüchtern, nämlich über seinen Wuchs: kräftige, gleichmäßige vegetative Struktur, frühe Verzweigung, kurze Blütezeit. Er ist kein Aushängeschild, sondern ein Werkzeug – die Konstante, an der die auffälligeren Mütter ausgerichtet wurden.
Digweed zeigt das Prinzip im Kleinen: eine Sweet-Tooth-Mutter für Aroma und Nachhall, der Ghani AF für Aufbau und Tempo. Benannt ist die Sorte nach der zwanzigjährigen Hauskatze, die sich beim Trimmen regelmäßig in die Kammer schlich und um Futter maunzte. Man muss die Geschichte nicht rührend finden, um daran zu erkennen, dass hier niemand eine Markenagentur beschäftigt hat.
Die Barb und ihre Nachkommen
Barbara Bud ist die bekannteste Pflanze des Hauses: der Ghani AF auf eine Shishkaberry-Mutter aus London, Ontario, ausgelegt weniger auf Ertrag als auf Harzdichte. Das Haus zählt für sie über 20 internationale Auszeichnungen. Ihren Namen trägt sie nach Barbara Budd, der Radiomoderatorin der Canadian Broadcasting Corporation, deren Sendung das Trimm-Team bei langen Schichten hörte – selbst keine Konsumentin, aber jemand, der den Kampf um den Zugang zu medizinischem Cannabis unterstützte, bis hin zu der Gerichtsauseinandersetzung, die Mat am Ende gewann.
Aus ihr ist inzwischen eine eigene Familie geworden. Grapefruit Barb, Here Comes The Barb, Lavender Barb und Rainbow Barb sind vier Kreuzungen derselben Mutter – mit einer Grapefruit, einer Wedding Cake, mit Somas Lavender OG und mit einer Z3 Zkittlez. Die Methode ist erkennbar dieselbe wie beim Ghani AF, nur eine Generation später: eine verlässliche Hausgenetik als Gerüst, die Aromen kommen von außen dazu.
Die CBD-Linie und ein ungewöhnlich offener Satz
Der zweite Strang des Katalogs stammt aus derselben Zeit wie der erste. Für Rene CBD nahm das Haus die Montrealer Sorte René – eine Himalaya-Indica auf Skunk #1, die in British Columbia wegen ihres Beerenaromas einen Namen hatte – und kreuzte sie mit der Cannatonic von Resin Seeds. Das Ergebnis war die erste CBD-reiche Sorte des Hauses, mit THC und CBD im ausgeglichenen Verhältnis; bei der High Times Cannabis Cup 2014 in Amsterdam holte sie die Auszeichnung für den höchsten CBD-Gehalt. Jean Guy CBD folgt demselben Muster, nur mit der Jean Guy als Partnerin.
Bemerkenswert ist weniger die Kreuzung als ein Satz auf der eigenen Produktseite. Dort schreibt das Haus, dass der hohe CBD-Gehalt geprüft werden muss und die eigenen Tests bei rund 72 Prozent liegen – etwa sieben von zehn Samen. Das ist keine Formulierung, die einem der Vertrieb aufschreibt. Es ist die Art Angabe, die man sonst erst auf Nachfrage bekommt, wenn überhaupt.
Was die Trophäensammlung erzählt
59 internationale Auszeichnungen führt das Haus inzwischen auf, verteilt über Blüten- und Haschisch-Kategorien von Toronto bis Barcelona. Zwei davon sagen mehr als die Summe. 2019 ließ die Landwirtschaftsmesse im Cowichan Valley auf Vancouver Island als erste Kanadas Cannabis als Kategorie zu, bei ihrer 151. Ausgabe. Das Haus, dort ansässig, reichte ein und ging als Reserve Grand Champion nach Hause, bewertet allein nach Aussehen, Griff und Geruch, weil die Jury in jenem Jahr nicht rauchen durfte.
Der zweite Fall ist der Spannabis Champions Cup in Barcelona, bei dem das Haus nach eigener Schilderung sechs Jahre in Folge eingereicht hatte, ohne je aufgerufen zu werden. 2019 wurden es dann gleich zwei Plätze an einem Abend, mit Haschisch, das vier Jahre kalt gereift war. Beide Geschichten handeln vom selben: von einem Haus, das seine Sachen lange liegen lässt.
Vom Cowichan Valley nach Barcelona
Geführt wird das Unternehmen heute als spanische Gesellschaft mit Sitz in Barcelona – geografisch weit weg von den Compassion Clubs, mit denen alles anfing, aber nah an den Messen und Cups, auf denen sich diese Branche seit Jahren trifft. Im Katalog ist die Herkunft trotzdem lesbar geblieben: Die kanadischen Linien sind nicht durch spanische ersetzt worden, sie sind weitergezüchtet worden.
House of the Great Gardener steht damit für etwas, das im Regal selten geworden ist: eine überschaubare Zahl von Linien, die alle voneinander abstammen, gepflegt von denselben Leuten, die sie angelegt haben. Wer Neuheiten im Quartalstakt sucht, ist hier falsch. Wer wissen will, wie eine einzelne Genetik aussieht, wenn sie zwei Jahrzehnte lang nicht aufgegeben wurde, findet in diesem Katalog eine der wenigen brauchbaren Antworten.