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Exotic Seed

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Exotic Seed
Madrid, Spanien 4 Min. Lesezeit
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Wer wissen will, wie Exotic Seed arbeitet, schaut sich am besten den Stammbaum einer einzigen Sorte an. Malasaña Gelato kreuzt zwei amerikanische Größen, Gelato 33 und Do-Si-Dos, auf Malasaña Cookies – und Malasaña Cookies ist ihrerseits aus einer Thin-Mint-Cookies-Mutter und einem Eliteklon der hauseigenen Herz OG hervorgegangen. Am Ende dieser Kette steht keine zugekaufte Genetik, sondern eine Pflanze, mit der die Bank 2018 beim Spannabis Champions Cup einen Preis geholt hat.

Das ist die Handschrift dieses spanischen Hauses: Neues entsteht hier auf dem, was sich vorher bewährt hat.

Vom Growshop-Tresen zur eigenen Marke

Angefangen hat es in Valencia. José Luis Martín, im Umfeld nur „el Carras“ genannt, eröffnete dort im Jahr 2000 seinen ersten Growshop – den vierten der Stadt. Gepflanzt hatte er da schon seit Mitte der Neunziger mit einiger Sorgfalt; einige Mutterpflanzen der heutigen Bank stammen noch aus jener Zeit. Ab 2005 produzierte er Samen, teils auf Bestellung, allerdings für fremde Marken.

2009 kam der Umzug nach Madrid und dort der Laden im Viertel Malasaña, in dem Santi Jiménez anfing – damals ein Student, den José wegen seines Pflanzenwissens vom Verkaufstresen weg in die Zucht holte. Angefangen zu pflanzen hatte Santi mit siebzehn, nicht aus Neugier, sondern für seine Mutter. 2014 erschienen die ersten achtzehn Sorten unter eigenem Namen.

Was im Haus selbst passiert

Exotic Seed produziert die eigenen Genetiken selbst, selektiert und verpackt die Samen von Hand und behält den Ablauf von Anfang bis Ende in eigener Regie. Die beiden Gründer betonen das mit einem gewissen Nachdruck – in den Jahren ihres Starts tauchten in Spanien so viele neue Samenbanken auf einmal auf, dass Händler wie Kunden gegenüber jedem neuen Namen erst einmal misstrauisch wurden. Ausgewählt wird nach Wuchsform, Terpengehalt und danach, was sich aus einer Pflanze an Harz gewinnen lässt.

Die eigentliche Währung dabei ist Zeit. Eine neue Genetik braucht im Normalfall rund zwei Jahre; bei Sir Jack Auto waren es drei bis vier, bis Exemplare dabei waren, die dem entsprachen, was die beiden im Kopf hatten. Mindestens sechs Generationen hat diese Linie inzwischen hinter sich. Bei automatischen Sorten lässt sich zudem keine Mutterpflanze aufbewahren – solche Linien müssen Jahr für Jahr weitergeführt werden und verändern sich dabei fortlaufend. Ein Katalog, der Autos ernst nimmt, steht also nie still, ob seine Betreiber das wollen oder nicht.

Amerikanische Genetik, mediterran nachgezogen

Mit der Legalisierung in mehreren US-Bundesstaaten kamen Sorten nach Europa, die auf Messen und in Wettbewerben alles überstrahlten und im Garten entsprechend anspruchsvoll waren: empfindlich gegenüber Temperatur- und Feuchtesprüngen, gelegentlich mit der Neigung, unter Druck männliche Blüten zu schieben. Exotic Seed beschreibt den eigenen Umgang damit in drei Schritten.

Zuerst werden aus dem amerikanischen Material die Phänotypen herausgesucht, die am wenigsten zur Zwittrigkeit neigen und von Haus aus kräftig wachsen – oder es wird gleich ein Originalklon ohne diese Schwächen beschafft. Dann folgt die Kreuzung mit etablierten europäischen Linien, die Robustheit bei wechselndem Wetter und Widerstand gegen die im Mittelmeerraum üblichen Krankheiten mitbringen. Zuletzt wird über mehrere Generationen gefiltert und stabilisiert, bis die unruhigen Exemplare verschwunden sind. Malasaña Gelato und Blue Monkey nennt das Haus selbst als Ergebnisse dieses Verfahrens.

Die alte Frage, ob feminisiert oder regulär die bessere Wahl sei, halten die beiden Gründer übrigens für erledigt: Wer die Elternpflanzen sauber auswählt und Zwitterneigung aus dem Genpool hält, sieht ihrer Erfahrung nach zwischen beiden keinen nennenswerten Unterschied.

Die Quick Line

Ein eigener Zweig des Katalogs dreht sich um Tempo, und auch er greift auf den eigenen Bestand zurück. Quick Wash verbindet die alte Bubble-Gum-Linie mit Monster Mash Auto – also mit der hauseigenen Automatic, die 2016 und 2017 im baskischen Irun jeweils den ersten Platz ihrer Kategorie geholt hatte – und bleibt dabei eine photoperiodische Sorte mit rund sieben Wochen Blüte. Quick Black Lemon entstand nach demselben Muster aus der eigenen Black-Lemon-Linie und schnell blühenden Genetiken, ohne die Zitrusnote zu verlieren, die den Namen trägt.

Die Preise

Die Wettbewerbsjahre der Bank lassen sich ziemlich genau eingrenzen. Zwischen 2016 und 2018 sammelte Exotic Seed auf spanischen und italienischen Messen eine Reihe von Platzierungen ein, die sie bis heute selbst auflistet. Ein Auszug:

  • 2018, Indica Sativa in Bologna – erster Platz als beste Samenbank
  • 2018, Spannabis Champions Cup – dritter Platz Indica für Herz OG
  • 2018, Herbes del Dimoni auf Mallorca – erste Plätze für Mango Cream (Outdoor) und Herz OG (Indoor)
  • 2017 und 2016, Expogrow in Irun – jeweils erster Platz Autoflower für Monster Mash Auto
  • 2016, Expogrow in Irun – erster Platz Sativa für Exotic Thai
  • 2016, Vina Grow – erste Plätze für Sir Jack (Outdoor) und Mango Cream (Indoor)

Dazwischen liegen zweite und dritte Plätze für Spicy Bitch, Gypsy Widow, Blue Monkey und Black Lemon Auto, verteilt auf Sevilla, Valencia, Teneriffa, Neapel und Chile. Auffällig ist dabei weniger die Zahl der Pokale als ihre Streuung: Sie verteilen sich auf Indica, Sativa, Autoflower, Indoor, Outdoor und Hydroponik – ein Haus, das seine Stärke nicht in einer einzigen Disziplin hat.

Wofür die Marke im Regal steht, lässt sich damit knapp sagen: für amerikanische Namen, die den Umweg über einen spanischen Garten genommen haben – und für einen Katalog, in dem die eigenen Preisträger nicht am Ende der Geschichte stehen, sondern am Anfang der nächsten.