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Amsterdam Genetics

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Amsterdam Genetics
4 Min. Lesezeit
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Inhalt · 7 Kapitel

Eine Samenbank, die sich nach einer Stadt benennt, legt die Latte selbst hoch. Amsterdam steht seit Jahrzehnten für eine Cannabis-Kultur, die andere Länder gerade erst nachzubauen versuchen; wer diesen Namen auf die Packung schreibt, sollte erklären können, was er damit meint.

Amsterdam Genetics tut das erstaunlich konkret. Das Haus beschreibt seine Aufgabe selbst als Kreuzung zweier Erblinien: das Beste aus der Amsterdamer Tradition auf der einen Seite, aktuelle Genetik aus der weltweiten Zuchtszene auf der anderen. Beide Hälften dieses Satzes lassen sich im Katalog nachschlagen.

Eine Adresse im Nordwesten der Stadt

Die eigenen Anfänge datiert das Haus auf 1985 – damals, so die Selbstbeschreibung, als Zusammenschluss von Kennern und lokalen Pionieren. Als Gründungsdatum der heutigen Marke taugt das nicht, und das Unternehmen behauptet es auch nicht: Es ist eine Herkunftsangabe, keine Firmenhistorie. Nachprüfbar ist die Gegenwart. Amsterdam Genetics wird als Masque B.V. geführt, mit Büro an der Humberweg im Nordwesten von Amsterdam.

Auf die eigene Zeitrechnung legt man dort Wert. Von mehr als dreißig Jahren Erfahrung ist die Rede und von einem Notizbestand aus über vierzig Jahren Beobachtung des Pflanzenzyklus, auf den bei neuen Kreuzungen zurückgegriffen werde. Man muss diese Angaben nicht wörtlich nehmen, um zu erkennen, dass hier jemand den Amsterdamer Sortenkanon nicht aus zweiter Hand kennt: Amnesia Haze, Super Silver Haze, Critical Mass und AK stehen im Katalog neben Linien, die es vor zehn Jahren noch nicht gab.

Mariska van Putten

Geführt wird das Haus von Mariska van Putten. Ihr Weg begann Mitte der neunziger Jahre als Angestellte in einem Amsterdamer Coffeeshop; heute stehen drei Boerejongens-Filialen und die Samenbank unter ihrer Leitung.

Der praktische Gewinn dieser Konstellation ist Herkunftssicherheit. Wenn Saatgut und Ladentheke derselben Leitung unterstehen, lässt sich lückenlos sagen, welche Genetik am Ende tatsächlich im Glas liegt – in einem Land, in dem der gewerbliche Anbau jahrzehntelang im rechtlichen Zwielicht stattfand, war das lange alles andere als selbstverständlich.

Eine Familie statt einer Liste

Wer die Handschrift des Hauses sucht, findet sie bei White Choco. Die Sorte kreuzt White Russian mit Chocolope und trifft dabei ein nahezu exaktes Gleichgewicht zwischen Indica- und Sativa-Anteilen – eine Balance, die im Angebot der Branche seltener vorkommt, als man vermuten würde. Amsterdam Genetics hat sie nicht als Einzelstück stehen lassen, sondern zum Stammvater gemacht: Chocolato, White Choco Haze, Kosher Choco Kush und Choco Cheesecake gehen auf diese Linie zurück, dazu die selbstblühende White Choco Auto.

Weiterbauen statt neu anfangen – dasselbe Prinzip prägt auch die Ränder des Sortiments. Bewährte Linien werden mit Ruderalis gekreuzt, wenn eine selbstblühende Variante gefragt ist; so entstanden AK-020 Auto, Choco Kush Auto, Blue Amnesia Auto und Milkshake Kush Auto. Und als die Nachfrage nach cannabidiolbetonten Sorten anzog, beantwortete das Haus sie mit eigenen Kreuzungen statt mit zugekaufter Genetik: Blue Monkey CBD und Compromise CBD sind die Ergebnisse.

Amsterdam trifft Kalifornien

Die jüngste Großbaustelle heißt Homegrown Selection und ist der Versuch, die kalifornische Sortenwelle nicht zu ignorieren, sondern durch den Amsterdamer Filter laufen zu lassen. Neun Linien bilden den Auftakt: Fatkids Cake, Chocolato, Skyrocket, Grapefruit Superstar, Dutch Duchess, Chunky Cookies, Quicksilver, Skywalker Saga und Choco Cheesecake. Die niederländische Seite dieser Kreuzungen stellen Super Silver Haze, Kosher Choco Kush und White Choco – also genau die Sorten, die das Haus am längsten kennt.

Der Umweg über Marokko

Eine der eigenwilligeren Episoden begann mit einer Anfrage von außen: Marokkanische Produzenten baten darum, die Genetik des Hauses unter freiem Himmel anbauen zu dürfen. Das Ergebnis fiel deutlicher aus als erwartet – die Pflanzen erreichten dort etwa die doppelte Größe der traditionell dort angebauten. Aus diesen Ernten entstanden Haschblöcke, und einer davon holte beim Highlife Cup den ersten Platz in der Hasch-Kategorie; die Genetik dahinter war Tangerine G13, ein zweiter Block desselben Hauses landete auf Platz zwei.

Vom Hinterausgang ins Lizenzregal

Die größte Veränderung im Umfeld der Marke ist keine Kreuzung, sondern ein Gesetz. Die Niederlande erproben eine geschlossene Lieferkette für Coffeeshops: legaler Anbau unter staatlicher Lizenz statt des jahrzehntelangen Widerspruchs, dass der Verkauf geduldet und die Belieferung verboten war. Einer der lizenzierten Produzenten, Hollandse Hoogtes, arbeitet ausschließlich mit Saatgut von Amsterdam Genetics; White Choco gehört zu den Sorten, die dort unter kontrollierten Bedingungen wachsen. Für ein Haus, das aus dem geduldeten Graubereich kommt, ist das ein bemerkenswerter Ortswechsel.

Was neben der Genetik passiert

Auffällig ist, wie viel Aufwand in Dinge fließt, die mit der Pflanze nur mittelbar zu tun haben. Der Amsterdamer Graffiti- und Kalligraffiti-Künstler Shoe Meulman hat die Hauswand gestaltet, mit Mascotte entstand gemeinsames Rauchzubehör, der niederländische Schuhmacher Vijz baute eine limitierte Sneaker-Auflage, und mit Wonderbrett aus Kalifornien arbeitet das Haus an gemeinsamen Linien. Nüchterner, aber für den Käufer wichtiger: Bevor ein Samen unter dem eigenen Namen verkauft wird, muss seine Keimrate nach Angaben des Hauses über 95 Prozent liegen.

Amsterdam Genetics ist damit weder die älteste noch die lauteste Adresse der Stadt. Aber es ist eine der wenigen, die den Stadtnamen im Firmenschild tatsächlich einlöst: Wer hier kauft, bekommt den Amsterdamer Kanon und die Gegenwart aus derselben Hand.