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Ace Seeds

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Ace Seeds
Rocafort, Valencia 4 Min. Lesezeit
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Die meisten Samenbanken verkaufen Geschwindigkeit: kurze Blüte, gleichmäßiger Wuchs, kalkulierbares Ergebnis. Ace Seeds verkauft das Gegenteil — tropische Sativas, die im Innenraum drei Monate und länger brauchen, und Landrassen, deren Reiz gerade darin liegt, dass eben nicht alle Pflanzen gleich aussehen.

Das ist keine Marktlücke, die jemand am Reißbrett gefunden hätte. Sie ist das Ergebnis einer Sammelleidenschaft, die älter ist als die Firma.

Von geschenkten Samen zur eigenen Bank

Züchter Dubi, das Gesicht des Hauses, begann nach eigener Auskunft 1996 mit reinen mexikanischen, kolumbianischen, nepalesischen und marokkanischen Sativas — Samen, die Freunde von Reisen mitbrachten — und daneben mit den damals tonangebenden niederländischen Hybriden. Beides nebeneinander zu kultivieren, sagt er, habe seinen Blick auf die Pflanze geprägt. Ende der Neunziger kam der Tausch über das Internet dazu: Kontakte zu Sammlern und Growern weltweit, die reine Linien besaßen und abgaben.

Ungefähr 2004 wurde daraus Ace Seeds, gegründet von Dubi zusammen mit Kaiki — dem Mann hinter Cannabiogen — und einem dritten Mitstreiter, mit Sitz in der Provinz Valencia. Dubi bezeichnet die Bank als die zweitälteste Spaniens; eine Einordnung aus eigenem Mund, aber sie trifft die Zeitrechnung. 2010 trennten sich die Wege: Kaiki konzentrierte sich auf Cannabiogen, Dubi führte Ace Seeds als eigenes Unternehmen weiter.

Die Säulen des Katalogs

Fünf Linien nennt Dubi als Fundament der Sammlung: Malawi, Panama, Nepal Jam, Pakistan Chitral Kush und Erdpurt. Sie markieren die Regionen, aus denen das Haus am hartnäckigsten sammelt — Ostafrika, Mittelamerika, der Himalaya und der afghanisch-pakistanische Raum.

Pakistan Chitral Kush hat davon den längsten Vorlauf. Das Ausgangsmaterial stammt aus dem Chitral-Tal und wurde Mitte der Neunziger gesammelt; über Cannabiogen kam es ins Haus, seit 2007 züchtet Ace Seeds daran weiter. Die Gegend ist weniger für ihre Blüten bekannt als für ihr Haschisch, und die Sorte trägt das bis heute im Aroma.

Daneben steht die zweite Hälfte des Katalogs: Hybriden, die aus genau diesen Ausgangslinien gebaut wurden. Golden Tiger kreuzt eine Elite-Mutter aus Malawi mit thailändischem Hochlandmaterial und wird als F3 geführt — eine halbstabilisierte Linie, keine fertige Sorte; die Blütezeit gibt das Haus mit zehn bis vierzehn Wochen an. Zamaldelica wiederum setzt Golden Tiger auf eine Zamal-Mutter.

Generationen statt Saisons

Was diese Arbeit von gewöhnlicher Sortenentwicklung trennt, ist der Zeithorizont. Die Panama-Linie steht nach Angaben des Züchters in der elften Generation, Erdpurt in der siebten. Hinter jeder dieser Generationen liegt ein vollständiger Zyklus aus Aussaat, Auslese und Wiederholung — Jahre, in denen nichts Neues erscheint, sondern etwas Bestehendes genauer wird.

Das Werkzeug wechselt mit dem Ziel: Inzucht innerhalb einer Generation, Rückkreuzungen, S1-Selbstungen, F1-Hybriden. Bei frisch eingetroffenen Landrassen greift das Haus dagegen bewusst zur offenen Bestäubung ausgelesener Elternpflanzen der ersten Generation — nicht, um zu verbessern, sondern um die Streuung zu erhalten, die eine Population überhaupt ausmacht. Wo das Auge nicht weiterhilft, kommen Laboranalysen auf Cannabinoid- und Terpenprofil dazu, etwa bei der Auslese CBD-betonter Linien wie CBD #1.

Was passiert, wenn niemand drei Monate warten will

Reine Sativas sind ein schwieriges Geschäft. Sie blühen lang, sie fallen ungleich aus, und ein großer Teil des Marktes will genau das nicht. Ace Seeds löst das nicht durch Verzicht, sondern durch Kreuzung: Elite-Sativas gehen mit kürzer blühenden Indica-Linien zusammen, damit von Wirkung, Vigor und Aroma möglichst viel übrig bleibt, während die Blütezeit sinkt. Der Katalog fährt seither zweigleisig — hier die Kreuzungen für kürzere Zyklen, dort die puren Herkünfte wie Congo, Lebanese, Morocco Beldia Kif oder Hokkaido Japan Hemp, an denen nichts beschleunigt wurde.

Denselben Umweg geht das Haus bei den Automatics. Selbstblühende Genetik stammt fast durchweg aus indicalastigen Kreuzungen; mit Zamaldelica Auto hat Ace Seeds versucht, dieses schmale Fundament in Richtung Sativa zu öffnen. Ähnlich unaufgeregt läuft die Arbeit an regulären und feminisierten Fassungen: Beide Wege werden für den Großteil der Sorten parallel gepflegt, ohne dass daraus je eine Ankündigung würde.

Fremde Handschriften unter einem Dach

Ace Seeds tritt nicht als Ein-Mann-Betrieb auf, und der Katalog zeigt das. Neben der eigenen Linie und der Forschungsreihe Ace Seeds R+D vertreibt das Haus die Arbeit anderer Sammler: den Indian Landrace Exchange, ein Netzwerk südasiatischer Bauern und Bewahrer, dazu Khalifa Genetics, Prempavee Thai Landraces und Romulan Genetics. Die Logik ist dieselbe wie beim eigenen Material: Wer eine Population erhält, soll sie auch weitergeben können.

Wie eng dieses Netz geknüpft ist, zeigt Super Malawi Haze. Dafür griff die Bank auf eine Neville's-Haze-Elite zurück, die ein niederländischer Grower rund drei Jahrzehnte lang als Klon am Leben gehalten hatte. Ohne solche Privatarchive gäbe es diese Kreuzung nicht.

Wohin die Reise geht, ist an den Vorhaben ablesbar, die Dubi selbst benennt: weitere Landrassen aus Südostasien und dem pazifischen Raum, neue F1-Hybriden aus den bestehenden Säulen. Sorten wie Thai, Papua New Guinea oder New Caledonia zeigen, dass das keine Absichtserklärung geblieben ist.

Wer bei Ace Seeds landet, sucht selten das schnellste Ergebnis. Das Haus steht für das andere Ende des Regals: für Herkünfte, die einen Ort und ein Datum haben, für Linien, an denen seit über einem Jahrzehnt weitergearbeitet wird, und für die Bereitschaft, eine Sorte lieber unverändert zu lassen, als sie marktgängig zu machen. Bequem ist diese Haltung nicht — selten geworden ist sie auch.