In der Cannabisszene war er jahrzehntelang vor allem unter einem Spitznamen bekannt: Sam the Skunkman. Dahinter stand David Paul Watson, ein US-amerikanischer Züchter, der am 27. Januar 2025 im Alter von 76 Jahren starb. Sein Name ist untrennbar mit einer Sorte verbunden, die als eine der einflussreichsten der modernen Zuchtgeschichte gilt: Skunk #1. Dieser Beitrag fasst zusammen, was über sein Wirken öffentlich dokumentiert ist.
Von Santa Cruz nach Amsterdam
Watson begann Anfang der 1970er-Jahre im kalifornischen Santa Cruz County damit, Cannabissorten aus verschiedenen Weltregionen zu sammeln, zu katalogisieren und miteinander zu kreuzen. Aus diesem Umfeld ging Sacred Seeds hervor, ein loser Zusammenschluss von Züchtern, der in Fachnachrufen als erste kommerzielle Saatgutbank der USA beschrieben wird. Anfang der 1980er-Jahre beendete eine Polizeirazzia das Projekt – zum genauen Zeitpunkt weichen die Darstellungen voneinander ab. Mitte der 1980er-Jahre ging Watson in die Niederlande und brachte einen umfangreichen Saatgutbestand mit, darunter Skunk #1, Original Haze und Afghani #1. Amsterdam blieb bis zu seinem Tod sein Lebensmittelpunkt.
Skunk #1 und die Idee der stabilen Hybride
Skunk #1 entstand in den 1970er-Jahren in Kalifornien aus drei Landrassen-Linien: einer afghanischen Indica, dem kolumbianischen Colombian Gold und einer mexikanischen Sativa. Bemerkenswert war weniger die Kreuzung selbst als ihre Beständigkeit. Skunk #1 war über mehrere Generationen so weit stabilisiert, dass aus Samen weitgehend gleichförmige Pflanzen hervorgingen – und damit wurde aus einem Zufallsprodukt regionaler Kreuzungen eine reproduzierbare Sorte. Erst das machte Saatgut überhaupt zu einem definierten, beschreibbaren Gut statt zu einer Wundertüte.
Cultivator's Choice und die niederländische Zuchtszene
In den Niederlanden gab Watson seine Genetik unter dem Namen Cultivator's Choice weiter. Er arbeitete mit Akteuren der frühen Amsterdamer Szene zusammen, unter anderem mit Wernard Bruining. Über diese Kanäle gelangten Skunk #1 und weitere Linien zu den damals entstehenden niederländischen Saatgutunternehmen; Sensi Seeds, 1985 von Ben Dronkers gegründet, gehörte zu jenen, die diese Genetik weiterführten. Ein erheblicher Teil der Sorten, die heute im europäischen Umlauf sind, lässt sich genealogisch auf diesen Bestand zurückführen.
Von der Undergroundzucht in die Pharmaforschung
Anfang der 1990er-Jahre gründete Watson in Amsterdam das Unternehmen HortaPharm B.V., um seinen Saatgutbestand für pharmazeutische Forschung nutzbar zu machen; beteiligt war unter anderem der Botaniker Robert Connell Clarke. Das britische Unternehmen GW Pharmaceuticals übernahm später die dort aufgebaute Genetikbibliothek – Ausgangsmaterial unter anderem für das Cannabisextrakt-Arzneimittel Sativex, dessen Pflanzenbasis auf Skunk #1 zurückgeht. Parallel war Watson fachlich-publizistisch aktiv: Er ist Mitautor des Standardwerks „Hemp Diseases and Pests" (2000) und war an der 1992 in Amsterdam gegründeten International Hemp Association beteiligt, die eine der ersten Fachzeitschriften zur Hanfagronomie herausgab.
Einordnung
Watsons Rolle ist in der Szene nicht unumstritten. Sacred Seeds war ein Kollektiv, und ob Skunk #1 das Werk einer einzelnen Person oder einer Gruppe war, wird bis heute unterschiedlich dargestellt; auch bei weiteren Sorten gehen Zuschreibung und Widerspruch auseinander. Unstrittig ist dagegen die Wirkung des Saatguts, das er Mitte der 1980er-Jahre nach Amsterdam brachte: Es steht am Anfang der niederländischen Zuchtindustrie, und dieselbe Genetik fand später den Weg in die pharmazeutische Forschung. Damit reicht die Spur seiner Arbeit von der kalifornischen Undergroundzucht der 1970er-Jahre bis in zugelassene Arzneimittel.
Quellen: Bobby Black, „In Memorium: Salute to the Skunk Man", Leaf Magazines (2025); Stephen Andrews, „Cannabis Legend Sam the Skunkman Has Passed Away", Soft Secrets (2025); Fred Gardner, „‚Skunk‘ Comes out of the Closet", O'Shaughnessy's (2018); J. M. McPartland, R. C. Clarke, D. P. Watson, „Hemp Diseases and Pests: Management and Biological Control", CABI (2000); Journal of the International Hemp Association, Amsterdam (ab 1992)