Eine Marke, die nach einem Zauberer klingt, und eine Sorte, die nur eine Nummer trägt: RS-11. Den Ruf von Wizard Trees hat ausgerechnet eine Genetik begründet, die aus einem anderen Haus stammt.
Das ist keine Lücke in der Geschichte, sondern ihr Kern. Was diese Marke aus Los Angeles ausmacht, entscheidet sich nicht an der Kreuzung – sondern an dem, was danach kommt.
Hundert Samen, elf Nummern
Hinter Wizard Trees steht Scott, in Los Angeles zu Hause und seit Jahren im anspruchsvollen Anbau unterwegs – lange vor allem als Grower bekannt, nicht als Züchter. Ende 2018, Anfang 2019 kamen hundert Rainbow-Sherbert-Samen von DEO Farms aus der Bay Area ins Haus. Was folgte, war kein Marketingprojekt, sondern Fleißarbeit: anziehen, beurteilen, aussortieren. Übrig blieben elf Phänotypen, jeder mit einem Kürzel und einer Nummer versehen – RS, für Rainbow Sherbert.
Die Nummer elf blieb hängen. RS-11 stammt von einer Kreuzung aus Pink Guava und Sunset Sherbert ab und wurde zu einer Sorte, die weit über die kalifornische Szene hinaus gefragt war: Anfang 2025 stand sie in mehr als 1.600 US-Geschäften im Regal. Popularität dieser Größenordnung hat selten einen einzigen Urheber, und in diesem Fall sind die Rollen ungewöhnlich klar verteilt: DEO Farms hatte die Kreuzung gemacht, Wizard Trees fand den Phänotyp und baute ihn an, und die Marke Doja Pak brachte ihn dorthin, wo er gesehen wurde.
Die Partnerschaft, aus der die Genetik kommt
Genau hier unterscheidet sich Wizard Trees von den meisten Häusern, die im selben Regal stehen: Der Anspruch, alles selbst gezüchtet zu haben, wurde nie erhoben. Ein großer Teil der Genetik stammt von DEO Farms – Deep East aus Oakland, seit Jahren fester Partner. Wizard Trees bringt die Selektion und den Anbau ein.
Das klingt bescheidener, als es ist. Aus hundert Sämlingen den einen herauszufinden, der bleibt, ist eine eigene Disziplin, und abkürzen lässt sie sich nicht: Jede einzelne Pflanze muss durch die Beurteilung, und der weitaus größte Teil fällt am Ende weg. Was Wizard Trees an dieser Stelle beisteuert, ist Geduld – und ein Urteil darüber, was ein Keeper ist und was nur gut aussieht.
Zoap, und ein Abend in Los Angeles
Aus derselben genetischen Familie stammt Zoap: wieder eine DEO-Kreuzung, wieder von Wizard Trees angebaut. Im Juni 2022 trat sie bei den Zalympix an, dem Wettbewerb, den die kalifornische Exotics-Szene unter sich austrägt, und holte den Gesamtsieg – dazu zweite Plätze in den Kategorien Best Terps und Best Tasting. Scott kommentierte das hinterher trocken: Nach zwei zweiten Plätzen habe der Gesamtsieg nicht mehr auf dem Zettel gestanden.
Die Linie trägt weiter. Aus RS-11 sind Rückkreuzungen und Weiterzüchtungen entstanden – 11:11 etwa, RS-11 auf sich selbst zurückgeführt –, dazu kamen Kollaborationen und mit Zangria eine eigene Reihe. Der Katalog ist damit schmaler als der klassischer europäischer Banken und dafür enger geführt: wenige Linien, konsequent weiterverfolgt.
Vom Grow zur Samenbank
Lange gab es Wizard Trees nur als kalifornische Ware mit Ladenpartnern in wechselnden US-Bundesstaaten. Die Marke beschreibt sich selbst knapp: in LA zu Hause, Sorten, die weltweit gesucht werden. Der Samenvertrieb kam später dazu, und er ist heute der Weg, auf dem die Genetik nach Europa kommt – der europäische Arm sitzt in Ripollet bei Barcelona.
Wer Wizard Trees ins Regal stellt, stellt kein altes europäisches Zuchthaus dorthin, sondern eine junge kalifornische Handschrift: wenige Linien, ein enger Kreis von Partnern und ein Gespür dafür, welcher von hundert Sämlingen der eine ist. Das ist eine schmalere Grundlage als dreißig Jahre Katalog – und, wie die Nummer elf zeigt, keine schwächere.