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Serious Seeds

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Serious Seeds
Gegründet 1995 Purmerend, Niederlande 6 Min. Lesezeit
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Ende der 1990er verlor Serious Seeds binnen kurzer Zeit zwei Zuchtgärten an die Polizei. Beschlagnahmt wurden dabei sämtliche Exemplare der Vaterpflanze der Kali Mist – jener Sorte, mit der der Amsterdamer Coffeeshop Greenhouse 1995 einen High Times Cannabis Cup gewonnen hatte. Ein Jahr lang gab es davon keine Samen zu kaufen.

Was danach geschah, beschreibt dieses Haus besser als jede Selbstauskunft. Statt eine Notlösung auf den Markt zu bringen, setzte der Züchter die Sorte aus verwandten Linien neu zusammen, die an anderen Standorten überlebt hatten – und nutzte die Gelegenheit, sie wieder deutlich sativalastiger zu machen, als sie zwischenzeitlich geworden war. Im Jahr 2000 gewann diese dritte Fassung die Sativa-Kategorie des High Times Cannabis Cup.

Ein Biologielehrer, der nicht rauchte

Hinter Serious Seeds steht bis heute ein Mann, der in der Szene nur unter seinem Vornamen firmiert: Simon, Biologe, studiert an einer Amsterdamer Universität. Rauchen war ihm lange fremd – in den Niederlanden mischt man Cannabis üblicherweise mit Tabak, und Tabak kam für ihn nicht in Frage. Erst auf einer Reise durch Afrika lernte er die Pflanze 1986 pur kennen. Von da an sammelte er Samen und legte sich zu Hause eine private genetische Bibliothek an.

Er unterrichtete Biologie an einer Highschool, als Alan Dronkers ihn zu Sensi Seeds holte. 1994 gründete er gemeinsam mit zwei amerikanischen Cannabis-Flüchtlingen, wie er sie nennt, eine erste eigene Samenbank; im selben Jahr gewannen AK-47 und Chronic beide Preise beim High Times Cannabis Cup in Amsterdam. Die Zusammenarbeit endete trotzdem, und 1995 stand Serious Seeds als eigenes Haus auf der Liste. Der Firmensitz liegt bis heute nicht in Amsterdam, sondern im nördlich davon gelegenen Purmerend.

Qualität als Buchhaltung

Jede Charge wird vor der Freigabe auf Keimrate und Einheitlichkeit der daraus wachsenden Pflanzen geprüft. Jede Packung trägt eine eigene Nummer – nach Angaben des Hauses als einzige der Branche –, sodass sich jeder Samen von der Produktion bis ins Verkaufsregal zurückverfolgen lässt. Wer ein Qualitätsproblem meldet und die Originalpackung vorlegen kann, bekommt Ersatz; die Keimung wird ausdrücklich garantiert.

Dahinter steht ein Zuchtziel, das das Unternehmen offen benennt: stabile, homogene Pflanzen mit guten medizinischen Eigenschaften, die auch Ungeübten im Anbau gelingen – damit Betreuer von Patienten verlässlich gleichbleibendes Material erzeugen können. Auf die Liste kommt eine Sorte erst, wenn sie stabil und konsistent ist.

Der Zufallstreffer von 1992

1992, nach Tausenden von Testpflanzen aus verschiedenen Zuchtlinien, hatte Simon eine Sativa-Indica-Kreuzung, bei der alles zusammenpasste. Die AK-47 war fertig. Den genauen Stammbaum hat er nie preisgegeben; bekannt ist nur das Ausgangsmaterial – kolumbianisch, mexikanisch, thailändisch und afghanisch – und das Verhältnis von rund 65 zu 35 zugunsten der Sativa-Anteile.

Der Name hat mit Waffen nichts zu tun, sondern mit dem Effekt: ein Zug soll genügen. Beim Cannabis Cup 1999 ergab eine unabhängige Laborprobe 21,5 Prozent THC, den höchsten Wert aller Einreichungen jenes Jahres. Die Leser des High Times Magazine wählten die Sorte 2003 zur Pflanze des Jahres – ein Jurypreis war das nicht, aber ein Stimmungsbild.

Von diesem einen Treffer zehrt der halbe Katalog. Die White Russian ist die hauseigene Verbindung aus AK-47 und der White Widow der neunziger Jahre; sie gewann 1996 auf Anhieb den Overall Cup für den Coffeeshop De Dampkring. Und als Simon gegen Ende der Neunziger fand, seine 1994 eingeführte Chronic wirke in die Jahre gekommen, kreuzte er ebenfalls AK-47 hinein: mehr Sativa im Wirkungsspektrum, ohne Ertrag und Aroma zu verlieren.

Kali Mist, dreimal zusammengesetzt

Die zweite Säule des Sortiments ist eine Sativa, deren Genetik ihr Züchter selbst nur teilweise kennt. Er hatte die Vorfahren von verschiedenen Growern erhalten, die zum Teil nicht wussten, woher ihr Material stammte. Sicher ist ein kambodschanischer Einschlag und ein afghanischer Indica-Anteil; der verbreiteten Behauptung, es stecke Haze darin, widerspricht Simon ausdrücklich.

Die erste Fassung von 1993 war fast reine Sativa mit bescheidenem Ertrag. Eine Überarbeitung brachte mehr Indica, mehr Gewicht und kürzere Blütezeiten – und Unmut bei Kunden, denen der klare Sativa-Effekt wichtiger war als der Ertrag. Nach der Beschlagnahmung kehrte Simon zum ursprünglichen Charakter zurück. Über die heutige Version sagt er, sie sei mindestens so gut wie die erste, vermutlich besser; die Originalsamen existieren nicht mehr, ein direkter Vergleich ist also gar nicht zu haben.

Was von Magus Genetics blieb

Gerrit Slot begann Anfang der Neunziger im Freien zu züchten, mit Skunk- und Afghani-Samen, die er 1989 aus Coffeeshop-Ware aussortiert hatte. Weil er männliche von weiblichen Blüten nicht unterscheiden konnte, bestäubte eine übersehene Afghani-Pflanze seine Skunk. Aus dem Versehen wurde die Warlock. Der Amsterdamer Coffeeshop Bluebird verkaufte sie unter diesem Namen, lange bevor es sie als Saatgut gab; 1998 kam sie offiziell auf den Markt.

2003 sorgte seine Biddy Early für die Überraschung des Cups: als einzige im Freien gewachsene Einreichung der Sativa-Kategorie wurde sie Zweite, vor zahlreichen Indoor-Sorten. Als Slot 2011 aus familiären Gründen aussteigen musste, wandte er sich an Simon, den er aus Bluebird-Zeiten kannte. 2012 gingen vier Sorten an Serious Seeds über: Warlock, Biddy Early, Double Dutch und Motavation. Für zwei weitere kam die Rettung zu spät, die Mutterpflanzen von Exile und Biddy's Sister waren bereits verloren. Dass die Double Dutch eine Kreuzung aus Chronic und Warlock ist, nimmt die Fusion der beiden Häuser um mehr als ein Jahrzehnt vorweg.

Die Preise, chronologisch

  • 1994 – AK-47 und Chronic werden beim High Times Cannabis Cup in Amsterdam ausgezeichnet
  • 1995 – Kali Mist holt den Cup für den Coffeeshop Greenhouse
  • 1996 – White Russian gewinnt den Overall Cup für De Dampkring
  • 1997 – Warlock wird von der Bluebird eingereicht und wird Dritte der Bio-Kategorie
  • 2000 – Kali Mist gewinnt die Sativa-Kategorie
  • 2003 – Biddy Early wird Zweite in der Sativa-Kategorie

Einen anderen Weg ins Haus nahm die Bubble Gum: Ihre Genetik entstand in den Achtzigern in Indiana und erreichte 1993 die Niederlande. Simon brauchte fünf Generationen Selektion, bis er das Ergebnis unter diesem Namen führte – seither hat sie gut ein Dutzend Preise gesammelt. Jüngster Neuzugang ist die Seriotica, eine Kreuzung aus der hauseigenen Mimosa mit Cookies, für die das Haus 25 bis 28 Prozent THC angibt.

Im Regal steht Serious Seeds deshalb weniger für Neuheiten als für Bezugspunkte. Wer heute eine Kreuzung mit AK-47 im Stammbaum kauft, kauft mittelbar die Arbeit von 1992 mit, und die halbe Branche hat sich daran bedient. Für eine Firma, die absichtlich klein geblieben ist, eine bemerkenswerte Bilanz.