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Kannabia Seeds

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Kannabia Seeds
Gegründet 2009 Granada, Spanien 4 Min. Lesezeit
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Die europäische Samenzucht hat ihre Postleitzahlen: Amsterdam, Barcelona, dazu ein paar Adressen in der Schweiz. Kannabia Seeds sitzt in keiner davon. Das Haus arbeitet aus Granada heraus, am Fuß der Sierra Nevada und am anderen Ende des Landes von jener katalanischen Szene, aus der es hervorgegangen ist.

Wer genau hinsieht, findet diese Herkunft trotzdem im Katalog. Die bekannteste Sorte des Hauses heißt Mataro Blue – nach einer Küstenstadt nördlich von Barcelona. Ein Sortenname als Ortsangabe: mehr Autobiografie, als die meisten Samenbanken freiwillig herausrücken.

Zwei Gründungsdaten, kein Widerspruch

Nach eigener Darstellung des Teams begann Kannabia 2002 am Rand von Barcelona – als Zuchtarbeit, noch nicht als Marke. Die Firma unter dem heutigen Namen datiert das Haus selbst auf 2009. Damals startete Kannabia mit dem erklärten Ziel, überliefertes Wissen mit fortlaufender Forschung zu verbinden und im internationalen Saatgutmarkt eine feste Größe zu werden.

Daraus ist ein Vertrieb mit offiziellen Partnern in mehr als zwanzig Ländern geworden, mit eigenen Auftritten für Nordamerika und Lateinamerika. Für eine andalusische Samenbank, die nie den Weg über die Amsterdamer Coffeeshop-Kultur genommen hat, ist das eine bemerkenswerte Reichweite.

Ein Netz aus Züchtern statt eines Zuchtlabors

Kannabia beschreibt die eigene Arbeitsweise ungewöhnlich offen: Die Sorten entstehen über ein Netz einzelner Züchter, die legal für das Haus produzieren und dabei ausschließlich mit klassischer Kreuzung und Auslese arbeiten. Gentechnische Eingriffe schließt das Haus ausdrücklich aus. Für seine Kreuzungen greift es auf eine breite Auswahl an Mutterpflanzen zurück, um von jeder das mitzunehmen, was sie am besten kann.

Das ist kein romantisches Detail, sondern eine Entscheidung mit Folgen. Ein Netz aus vielen kleinen Produzenten ist langsamer als eine zentrale Anlage und schwerer zu vereinheitlichen; dafür sieht jede Linie über Jahre sehr viele verschiedene Umgebungen. Vor der Freigabe durchlaufen die Chargen nach Angaben des Hauses mehrere Qualitätsprüfungen.

Mataro Blue, die Sorte mit dem Stadtplan im Namen

Mataro Blue ist Kannabias Aushängeschild und zugleich der beste Beleg für die Geduld dieser Arbeitsweise. Die Linie verbindet Black Domina mit Blue Monster und einer reinen afghanischen Genetik aus Mazar-i-Sharif – eine indicabetonte Konstruktion, an der das Haus über Jahre nachgeschärft hat.

Bemerkenswerter als die Abstammung ist die Spur, die sie hinterlassen hat. Über ein Jahrzehnt hinweg sammelte die Sorte Auszeichnungen auf zwei Kontinenten:

  • „Medical Indica“ bei der TreatingYourself Expo 2012 in Toronto
  • dritter Platz Outdoor bei der Copa Cannábica Axarquía 2013 in Vélez-Málaga
  • Rosin-Preis bei der Lift Expo 2016, erneut in Toronto
  • „Best for Extractions“ bei den Cogollos Libertadores del Noa 2022 im argentinischen Salta

Vier Preise in vier verschiedenen Kategorien, verteilt über zehn Jahre – das ist etwas anderes als ein Cup-Sieg im Erscheinungsjahr. Wie ernst das Haus diese Linie nimmt, zeigt Gnomo Auto: eine kleinwüchsige, selbstblühende Auslegung derselben Handschrift, gebaut für Leute mit wenig Platz.

Seltene Cannabinoide, früh begonnen

Die auffälligste Eigenart des Katalogs steht bei den Cannabinoiden. Neben den CBD-Linien um Swiss Dream CBD – deren Verhältnis das Haus mit rund 31 zu 1 zugunsten von CBD angibt – führt Kannabia Linien, die auf CBDV, CBG und THCV ausgelegt sind. Bei Kannabia THCV beschreibt das Haus jahrelange Kreuzungs- und Stabilisierungsarbeit, bis eine feminisierte Linie mit ausgeglichenem Verhältnis der beiden Cannabinoide stand.

Dass man damit früher dran gewesen sei als der Markt, ist die Darstellung des Hauses selbst und nicht unabhängig geprüft. Nachprüfbar ist nur, dass diese Reihe heute mehrere eigenständige Linien umfasst – für eine Samenbank dieser Größe ein Aufwand, der sich über Trendsorten nicht refinanziert.

Gebaut für kurze Sommer

Eine zweite Spezialität sind die Go-Fast-Linien. Kannabia kreuzt dabei eine lichtabhängige Sorte mit der eigenen selbstblühenden Version derselben Genetik. Das Ergebnis behält die Eigenschaften der Ausgangssorte, verkürzt die Blüte aber nach Angaben des Hauses auf rund 40 bis 45 Tage. Gedacht ist das ausdrücklich für Regionen mit kühlem Klima und kurzen Sommern – ein Zuschnitt, den man von mediterranen Banken selten so klar formuliert liest.

Beschichtete Saat

Der jüngste Seitenweg ist technischer Natur. Unter dem Namen Bioboost bietet Kannabia Samen an, die mit einer biostimulierenden Hülle der deutschen Bactiva GmbH überzogen sind: Trichoderma-Pilze und weitere Mikroorganismen, die nach Herstellerangaben die Wurzelbildung unterstützen sollen. Eine Samenbank, die an der Schale statt an der Genetik weiterarbeitet, ist in dieser Branche eine Seltenheit.

Der Blick nach Lateinamerika

Wer den Katalog verlässt und den hauseigenen Blog aufschlägt, findet den vielleicht ungewöhnlichsten Zug dieser Marke. Kannabia berichtet dort seit Jahren über die Debatte um medizinischen Eigenanbau in Chile, Argentinien, Peru und Uruguay – Gesetzesnovellen, Verbandsarbeit, Interviews, 2019 etwa mit Antonieta Valenzuela, Ärztin bei der chilenischen Fundación Daya.

Eine Sorte trägt den Namen Mama Cultiva, nach dem lateinamerikanischen Kollektiv von Müttern, das in Chile und Argentinien für legalen Zugang zu medizinischem Cannabis streitet. Das Kollektiv betreibt politische Arbeit und keinen Saatguthandel; der Name ist eine Referenz, kein Vertriebsabkommen.

Kannabia Seeds ist damit keine Marke, die sich über einen einzigen großen Cup-Sieg erklärt. Sie steht für ein Haus, das seine Linien über Jahre pflegt statt sie zu ersetzen, das dieselbe Genetik in mehreren Ausführungen denkt – groß, klein, schnell – und das seine Aufmerksamkeit dorthin richtet, wo über Cannabis gerade neu verhandelt wird. Wer Sorten sucht, die nicht dem letzten Trend hinterherlaufen, findet hier eine Adresse mit langem Gedächtnis.