Zum Inhalt springen
Brothers Grimm Seeds

Brothers Grimm Seeds auf DrGreen entdecken

Brothers Grimm Seeds
Gegründet 1996 Johnstown, Colorado 4 Min. Lesezeit
Alle Strains von Brothers Grimm Seeds zeigen

Die wichtigste Pflanze in der Geschichte dieser Samenbank war ein Zufallsfund. Sie steckte als Samenkorn in einer gekauften Blüte, überstand den Weg aus einem Amsterdamer Coffeeshop nach Nordamerika und wurde dort zur Mutterpflanze, aus der ein ganzer Sortenkatalog hervorging.

Brothers Grimm Seeds ist die Firma von Rick Campanella, und sie hat einen der ungewöhnlichsten Lebensläufe der Branche: sechs Jahre Betrieb, dreizehn Jahre Stillstand, danach ein zweiter Anfang mit exakt demselben Material.

Ein Ingenieur mit einem Nebenprojekt

Campanella begann 1986 zu züchten, zu einer Zeit, in der das in den USA verboten war. Sein Beruf hatte damit nichts zu tun: Er arbeitete als Nuklearingenieur, die Zucht lief nebenher. Zehn Jahre später, 1996, machte er daraus zusammen mit seinem Partner Sly eine Samenbank. Verkauft wurde über Heaven's Stairway, einen kanadischen Reseller – Direktvertrieb wäre in dieser Zeit ausgeschlossen gewesen.

Das Ausgangsmaterial kam aus einer Tüte. In einer Jack-Herer-Blüte, gekauft im Amsterdamer Coffeeshop Sensi Smile, fand Campanella Samen. Drei Pflanzen daraus behielt er und gab ihnen Namen: Princess, Café Girl und Genius. Aus Princess wurde Cinderella 99, aus Café Girl Rosetta Stone, aus Genius die Apollo-Linie. Der gesamte Klassiker-Bestand der Marke geht auf diese drei Sämlinge zurück – ein Fundament, das so kein Zuchtprogramm geplant hätte.

Cubing – wie aus einem Klon eine Sorte wird

Princess war ein Glücksfall, und ein Glücksfall lässt sich schlecht verkaufen: Eine einzelne Pflanze gibt man als Steckling weiter, nicht als Samen. Campanella löste das mit einer Technik, die durch ihn in der Szene bekannt wurde – dem Cubing, einer Kette von Rückkreuzungen auf die Ursprungspflanze.

Er bestäubte Princess mit einem harzreichen Shiva-Skunk-Männchen. Die erste Generation nannte er P.50, weil sie zur Hälfte Princess war; darauf folgten P.75, P.88 und P.94. Am Ende dieser Kette stand eine Linie, die die Eigenschaften der Mutterpflanze in Samenform weitergab – nach Campanellas Angaben mit rund 25 Prozent mehr Ertrag und stabilerer Verzweigung als das Original. Den Namen lieferte das Märchen: Aus der Prinzessin wurde Cinderella 99.

Bemerkenswert ist dabei weniger das Ergebnis als der Umgang damit. Im Juni 2000 veröffentlichte Campanella die vollständige Entstehungsgeschichte im Netz, unter dem Titel „A Cinderella Story“. In einer Branche, die ihre Kreuzungen traditionell für sich behält, war das ein ungewöhnlicher Schritt.

Cinderella 99 selbst war sativadominant und blieb trotzdem kompakt, mit rund 50 Tagen Blütezeit und einer deutlichen Ananasnote – eine Kombination, die Ende der Neunziger selten war.

Der Bruch von 2002

Sechs Jahre nach der Gründung war Schluss. 2002 stellten Campanella und Sly den Betrieb ein, aus Sicherheitsgründen. Der Versuch, die Arbeit nach Europa zu verlagern, führte zu nichts. Die Genetik verschwand in einem Depot, Campanella kehrte in seinen Ingenieurberuf zurück, und die Sorten wurden rar.

Neustart in Colorado

2015 kam er zurück, diesmal legal. Gemeinsam mit Duke Diamond, den er noch aus den Diskussionsforen der Neunziger kannte, baute Campanella Brothers Grimm Seeds in Colorado neu auf – mit dem eingelagerten Material von damals. Der Schwerpunkt liegt seither auf feminisierten Photoperiod-Samen; eine feminisierte Cinderella 99 gibt es seit 2016. Geführt wird die Firma heute von Campanella gemeinsam mit seiner Frau Laura Campanella, die als CEO firmiert.

Cinderella 99 als Baustein

Was die Marke seit dem Neustart veröffentlicht, dreht sich weiter um dieselbe Linie. Grimm Glue, 2020 herausgekommen, kreuzt die Klonlinie Baby Gluey mit einem C99-Männchen – ausgewählt wurde die Mutter danach, dass sie unter Stress stabil blieb und stark Harz ansetzte. Auch Cinderella Pineapple, Cinderella Purple, Durban Thai x C99 und Thai Herer 99 tragen ihre Herkunft im Namen.

Neuere Arbeiten

Ocifer, seit Januar 2023 im Katalog, verbindet Cap Junky mit Rosetta Stone – jener Sorte aus dem zweiten der drei Sämlinge, die das Magazin High Times 2018 in seine „Top Ten of the Year“ wählte. Im selben Jahr gingen Testersamen aus Genius und Rosetta Stone an Grower, ausdrücklich zur Prüfung auf Stabilität in verschiedenen Umgebungen.

Aus der Reihe fällt Rickys Hash Plant: die offizielle Sorte zur Serie Trailer Park Boys, entstanden zusammen mit Hemptown Naturals und gebaut aus Genius, Puck und Airborne G13. In den USA kam sie am 31. Oktober 2024 in den Handel.

Nicht nur das eigene Haus

Der Katalog des Herstellers führt inzwischen auch fremde Arbeit: die Linien von Subcool aus THE DANK, die Erhaltungsarbeit von Romulan Genetics, Autoflower-Sorten von Purple City Genetics. Das passt zu einer Firma, deren eigener Bestand dreizehn Jahre lang nur deshalb überlebt hat, weil ihn jemand aufgehoben hat. Verkauft wird heute direkt beim Züchter, nicht mehr über einen Mittelsmann in Kanada.

Brothers Grimm Seeds gehört nicht zu den großen Häusern; wir führen 18 Sorten von der Marke. Was sie auszeichnet, ist die Herkunft: Fast alles, was hier im Regal steht, lässt sich auf drei Sämlinge aus einer Amsterdamer Tüte und auf eine Zuchtmethode zurückführen, die ihr Urheber offengelegt statt gehütet hat. Wer wissen will, wie die amerikanische Hobbyzucht der Neunziger in die Sortenlisten von heute gekommen ist, findet hier den kürzesten Weg dorthin.